Eine Löschgrube ist eine in den Boden eingelassene oder gemauerte Grube, in der Branntkalk (Calciumoxid) durch Zugabe von Wasser zu Löschkalk (Sumpfkalk) umgewandelt wird — ein seit der Antike praktiziertes Verfahren der Baustoffherstellung.
Aufbau und Verfahren
Die traditionelle Löschgrube besteht aus einer rechteckigen oder runden Vertiefung mit einer Tiefe von 1 bis 2 Metern und einer Fläche von mehreren Quadratmetern. Die Wände sind mit Naturstein, Ziegeln oder Holzbohlen ausgekleidet, um ein Einstürzen zu verhindern. Der Boden kann verdichtet oder mit Lehm abgedichtet sein.
Beim Löschvorgang wird Branntkalk (CaO) in die Grube gegeben und mit Wasser übergossen. Es setzt eine stark exotherme Reaktion ein: CaO + H2O ergibt Ca(OH)2. Die Temperatur kann dabei über 100 Grad Celsius erreichen, das Wasser kocht und es entwickeln sich dichte Dampfwolken. Der Kalk zerfällt dabei zu einem feinen Brei, dem Sumpfkalk. Nach dem Ablöschen wird der Kalk in der Grube belassen, mit Wasser bedeckt und über Monate oder Jahre gelagert (eingesumpft). Je länger die Lagerung, desto feiner und geschmeidiger wird der Kalk.
Anwendung
Löschgruben waren bis ins 20. Jahrhundert auf nahezu jeder größeren Baustelle zu finden. Der gewonnene Sumpfkalk diente als Bindemittel für Putzmörtel, Mauermörtel und Kalkanstriche. In der Denkmalpflege und bei der Restaurierung historischer Gebäude werden Löschgruben bis heute verwendet, da industriell hergestellter Kalk die Qualität von langzeiteingesumpftem Kalk nicht erreicht.
Historische Löschgruben sind bei archäologischen Grabungen häufige Befunde und geben Aufschluss über die Bautätigkeit vergangener Epochen. Die handwerkliche Kalkherstellung in Löschgruben erlebt im Bereich des ökologischen Bauens eine Renaissance, da Sumpfkalk ein besonders nachhaltiger und diffusionsoffener Baustoff ist.
Verwandte Begriffe
- Sumpfkalk
- Branntkalk
- Kalklöschen
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