Ein Gradierwerk ist ein großes Bauwerk, in dem Bündel aus Schwarzdornreisig gestapelt sind, über die langsam salzhaltiges Wasser (Sole) herabrieselt. Durch die große Verdunstungsfläche verdunstet unterwegs ein Teil des Wassers, wodurch das Salz im verbleibenden Wasser stärker konzentriert wird.
Funktion und Ursprung
Gradierwerke wurden ab dem späten Mittelalter gebaut, um Salz aus schwachen Solequellen zu gewinnen. Die Sole wird oben verteilt und sickert durch die Reisigbündel nach unten. Wind und Sonne sorgen für Verdunstung; der Salzgehalt steigt, bevor das Wasser eingedampft wurde. So sparte man Brennstoff.
Die Konstruktion besteht aus einem hölzernen Gerüst, oft Dutzende Meter lang und mehrere Meter hoch, gefüllt mit Zweigen des Schwarzdorns (Schlehe).
Spätere Nutzung
Später erhielten Gradierwerke ein zweites Leben in Kurorten. Die verdunstende Sole bildet einen salz- und jodhaltigen Nebel, der als gut für die Atemwege gilt. Um Gradierwerke entstanden Wandelgänge und Kurparks.
Bautechnische Hinweise
- Das Holzgerüst ist ständig Salzwasser ausgesetzt und braucht dauerhaftes, beständiges Holz
- Die Reisigbündel werden durch Ablagerung und Alterung regelmäßig ersetzt
- Das Bauwerk muss wegen der großen, offenen Fassaden windbeständig sein
Verwandte Begriffe
- Holz
- Verdunstung
- historisches Bauwerk
- Orangerie
- Kurarchitektur
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