Ein Netzengpass ist Stau im Stromnetz: In einem Gebiet wird zu einem Zeitpunkt mehr Strom entnommen oder eingespeist, als die Leitungen und Transformatoren verkraften. Der Netzbetreiber kann dann keine neuen oder größeren Anschlüsse zusagen, solange das Netz nicht verstärkt ist.
Zwei Richtungen
- Entnahmeengpass — zu viel gleichzeitige Nachfrage. Betrifft Gewerbegebiete, Ladeparks, Wärmepumpen und Rechenzentren. Folge: Wartezeiten für neue Anschlüsse und für die Verstärkung vorhandener
- Einspeiseengpass — zu viel gleichzeitiges Angebot, vor allem an sonnigen Mittagen mit vielen Photovoltaikanlagen in derselben Straße. Die Netzspannung steigt
Was Privatleute davon merken
Für Haushalte liegt der Engpass meist bei der Einspeisung. Die Nennspannung im Niederspannungsnetz beträgt 230 V, mit einem nach EN 50160 zulässigen Bereich von etwa 207 bis 253 V. Speisen viele Wechselrichter in einem Viertel gleichzeitig ein, steigt die Spannung am Ende der Leitung. Oberhalb der Obergrenze schaltet ein Wechselrichter sich selbst ab — kein Defekt, sondern eine vorgeschriebene Schutzfunktion, die andere Geräte schützt. Ergebnis: Ausgerechnet zur sonnigsten Stunde liefert die Anlage nichts.
Was hilft
- Messen lassen. Netzbetreiber führen auf Antrag eine Spannungsmessung über mehrere Tage durch. Ist die Spannung dauerhaft zu hoch, ist das Netz an der Reihe und nicht die Anlage
- Die Leitung zwischen Wechselrichter und Zählerschrank prüfen. Ein zu dünner oder zu langer Kabelweg erzeugt zusätzlichen Spannungsfall — und damit beim Einspeisen einen Spannungsanstieg. Größerer Querschnitt oder kürzerer Weg lösen oft schon viel
- Auf die Phasen verteilen statt alles auf eine Phase zu legen
- Mehr Eigenverbrauch zur Erzeugungszeit: Laden, Waschen, Warmwasser oder Wärmepumpe tagsüber laufen lassen
- Speicher oder gesteuerte Erzeugung können die Spitze glätten; die Wirtschaftlichkeit vorher durchrechnen
- Gewerbe sollten flexible Anschlussvereinbarungen und die Abstimmung mit Nachbarn am selben Netzstrang prüfen
Worauf zu achten ist
- Netzanschluss früh beantragen. Die Vorlaufzeiten reichen in Engpassgebieten bis in den Jahresbereich; das gehört in den Bauzeitenplan
- Vor dem Grundstückskauf beim Netzbetreiber nach der Anschlusssituation fragen, besonders bei Gewerbeobjekten
- Anschlussleistung bewusst wählen. Ein größerer Anschluss kostet Grundpreis; ein zu kleiner bedeutet später erneut Warten
Verwandte Begriffe
- Energieausweis
- Heizkessel
- Nachheizung einer Solarthermieanlage
- Ökologisches Bauen
- Gründach
- Baugenehmigung
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