Leinöl ist ein pflanzliches Öl, das aus dem Samen des Flachses gepresst wird. Es ist ein trocknendes Öl: Es härtet nicht durch Verdunsten aus, sondern durch Oxidation — das Öl nimmt Sauerstoff aus der Luft auf und bildet dabei einen zähen, wasserabweisenden Film.
Diese Eigenschaft macht Leinöl seit Jahrhunderten zum Bindemittel der Ölfarbe und zum meistgenutzten Mittel, um unbehandeltes Holz zu sättigen.
Die drei Varianten
- Rohes (kaltgepresstes) Leinöl. Unbehandelt und sehr dünnflüssig. Dringt tief ins Holz ein, trocknet aber langsam — Tage bis Wochen je Auftrag. Vor allem zum Sättigen von Holz geeignet, nicht zum Aufbau einer Filmschicht.
- Gekochtes Leinöl (Leinölfirnis). Erhitzt und meist mit einem Trockenstoff (Sikkativ) versehen, wodurch die Trockenzeit auf etwa einen Tag sinkt. Die übliche Wahl für Holzarbeiten. Achtung: Durch die zugesetzten Trockenstoffe ist gekochtes Leinöl nicht lebensmittelecht; für eine Arbeitsplatte oder Spielzeug braucht es ein ausdrücklich dafür geeignetes Öl.
- Standöl. Leinöl, das unter Luftabschluss stark erhitzt wurde und dadurch dick und zähflüssig ist. Bildet eine glänzende, elastische und dauerhafte Schicht und vergilbt weniger. Wird in traditionellen Farben und als Zusatz zu Ölfarbe verwendet.
Wofür man es einsetzt
- Holz sättigen. Auf Gartenholz, Fenstern, Fensterbänken und Werkzeugstielen. Das Öl dringt in die Holzfaser ein, bremst die Feuchteaufnahme und mindert damit Arbeiten und Reißen. Anders als Lack lässt Leinöl das Holz atmen und blättert nicht ab — es verschleißt gleichmäßig und lässt sich deshalb ohne Schleifen oder Abbeizen überarbeiten.
- Als Bindemittel in Farbe. Traditionelle Leinölfarbe haftet außerordentlich gut auf sachgerecht vorbehandeltem Holz und ist für ihre lange Standzeit an historischen Fenstern bekannt.
- Auf Beton und Stein. Leinöl wurde eingesetzt, um Betonoberflächen zu sättigen und die Aufnahme von Wasser und Salzen zu verringern; es gibt auch modifizierte Varianten für diesen Zweck.
- Auf Eisen. Als vorläufiger Rostschutz auf Gusseisen und Schmiedearbeiten.
Verarbeitung
- Sauberes, trockenes Holz. Fett, Wachs und alte filmbildende Farbe müssen herunter; auf einer geschlossenen Lackschicht dringt das Öl nicht ein.
- Dünn auftragen. Mehrere dünne Schichten, jede gut durchtrocknen lassen. Eine dicke Schicht trocknet außen an und bleibt darunter klebrig.
- Überschuss abnehmen. Etwa zwanzig Minuten nach dem Auftrag alles, was nicht eingezogen ist, mit einem Tuch abnehmen. Was stehen bleibt, wird ein klebriger, staubbindender Film.
- Mit Vergilbung rechnen. Leinöl vergilbt mit der Zeit, besonders im Dunkeln. Auf hellem, weiß gestrichenem Innenausbau ist das ein Nachteil; auf Holz liegt es meist im Erwartungsbereich.
- Schimmelanfällig im Freien. Eine reine Leinölschicht im Außenbereich kann schwarzen Schimmelbelag ansetzen. Varianten mit einem schimmelhemmenden Zusatz bewähren sich auf Gartenholz besser.
Wichtig: Brandgefahr durch Lappen
Das ist kein theoretisches Risiko. Lappen, Schleifstaub, Pinselreiniger und Putztücher mit Leinöl können sich selbst entzünden. Die Oxidation ist eine wärmefreisetzende Reaktion; liegt das Material auf einem Haufen, kann die Wärme nicht abgeführt werden und die Temperatur steigt, bis es zündet. Jedes Jahr brennen dadurch Werkstätten und Wohnhäuser ab.
Immer so vorgehen: Gebrauchte Lappen flach ausgebreitet im Freien auf nicht brennbarem Untergrund ablegen, bis sie vollständig durchgehärtet sind, oder vollständig in Wasser getaucht in einem verschließbaren Metallbehälter aufbewahren. Niemals zusammengeknüllt in den Abfalleimer, niemals in einen Eimer mit anderem Abfall.
Verwandte Begriffe
- Standöl
- Ölfarbe
- Holzschutz
- Lasur
- Grundierung
- Sikkativ
- Fensterkitt
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