Eine Lünette ist eine halbrunde oder segmentbogige Fläche über einer Tür oder einem Fenster — das Bogenfeld zwischen geradem Sturz und dem Bogen darüber. Das Wort geht auf das französische lune (Mond) zurück und verweist auf die Halbmondform. Derselbe Begriff bezeichnet im Festungsbau ein kleines, freistehendes Außenwerk mit ebendieser Form.
Bedeutung 1: das Bogenfeld in der Fassade
Über einer rechteckigen Tür oder einem Fenster kann ein Bogen gemauert werden. Die Fläche, die dadurch zwischen Sturz und Bogen entsteht, ist die Lünette. Sie wird häufig eigens gestaltet:
- Oberlicht — ein halbrundes oder fächerförmiges Fenster, das Licht in den Flur bringt; typisch für Wohnhäuser des 18. und 19. Jahrhunderts
- Relief oder Bildhauerarbeit — an Kirchen und repräsentativen Gebäuden
- Fresko oder Mosaik — in der italienischen Tradition
- Gemauerte oder verputzte Fläche — die einfachste, geschlossene Ausführung
Bautechnisch ist das mehr als Zierde: Der Bogen über der Öffnung nimmt die Last des Mauerwerks auf und leitet sie in die Laibungen. Die Lünette ist damit die entlastete Fläche innerhalb des Bogens — sie trägt nichts und kann deshalb leicht und offen ausgeführt werden.
Bedeutung 2: das Festungswerk
Im Festungsbau ist eine Lünette ein kleines, selbstständiges Verteidigungswerk vor dem Hauptwall:
- Zwei schräg nach vorn gerichtete Facen, die eine Spitze bilden
- Zwei kurze Flanken an den Seiten
- Eine Kehle an der Rückseite, meist offen oder nur durch eine Brustwehr beziehungsweise eine Mauer mit Schießscharten geschlossen
Die offene Kehle war Absicht: Nahm der Angreifer die Lünette ein, bot sie ihm keine Deckung und konnte vom Hauptwall aus unter Feuer genommen werden. Lünetten wurden als Außenwerk einer Festung oder als Glied einer Verteidigungslinie angelegt.
Verwandte Begriffe
- Bogenfeld
- Bastion
- Graben
- Zinne
- Fassade
- Fensterrahmen
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