Ein Maueranker ist eine schmiedeeiserne oder stählerne Verankerung, die die Holzbalkenlage mit der Außenwand verbindet, damit die Fassade nicht nach außen ausweichen kann. Der sichtbare Teil an der Fassade — die Locke, das S, der Stab oder die Jahreszahl — ist nur die halbe Geschichte; hinter dem Mauerwerk sitzt die eigentliche Verbindung zum Balken.
Mauerwerk ist druckfest, kann aber keinen Zug aufnehmen. Eine hohe, schlanke Fassade ohne Verbindung zu den Decken wölbt sich mit der Zeit nach außen, erst recht unter Winddruck oder durch den Horizontalschub eines Dachstuhls. Der Maueranker verbindet Fassade und Deckenkonstruktion zu einem Ganzen.
Wie er funktioniert
Die klassische Ausführung besteht aus zwei Teilen. Am Balkenende sitzt ein schmiedeeisernes Flacheisen oder eine Stange, die durch die Mauer nach außen ragt und dort einen Schlitz oder eine Öse hat. In diesen Schlitz wird außen ein Splint gesteckt: ein Querstab, der gegen das Mauerwerk anliegt und das Ganze hält. Weicht die Fassade nach außen, zieht sie gegen den Splint und damit gegen den Balken.
Der Splint ist das Teil, das man von außen sieht. Häufige Formen:
- Gerader Splint, ein schlichter Stab — die häufigste Variante
- S-Anker oder Lockenanker, dekorativ geschmiedet
- Jahresanker, bei dem die Splinte die Form von Ziffern haben und zusammen das Baujahr ergeben
- Buchstabenanker, mit Initialen oder einem Zeichen
Instandhaltung und Hinweise
- Rostschäden sind das größte Risiko. Rostendes Eisen dehnt sich auf ein Mehrfaches seines Volumens aus. Das sprengt das umgebende Mauerwerk — erkennbar an sternförmig vom Anker weglaufenden Haarrissen und an abgedrückten Fugen
- Niemals einfach entfernen. Ein Maueranker ist ein tragendes Bauteil. Ist er lose oder verformt, zuerst prüfen lassen, ob die Fassade verankert bleibt
- Instandsetzen statt austauschen. Am Baudenkmal wird ein angegriffener Anker meist entrostet, behandelt und wieder eingesetzt; nur bei starkem Querschnittsverlust wird durch nichtrostenden Stahl ersetzt
- Auf den Balkenkopf achten. Wo ein Anker rostet, ist meist auch Feuchte an den Balkenkopf gelangt. Bei Ankerschäden immer das Holz auf der Innenseite prüfen
- Im Neubau anders gelöst. Dort gibt es keine sichtbaren Maueranker, sondern nichtrostende Luftschichtanker zwischen Vormauerschale und tragender Wand sowie eine Verankerung der Decke im Innenmauerwerk
- Anstrich hilft. Ein gepflegter Anstrich auf einem historischen Schmiedeeisenanker hält jahrelang und verhindert Rostschäden am Mauerwerk
Verwandte Begriffe
- Jahresanker
- Balkenkopf
- Balkenlage
- Unterzug
- Luftschichtanker
- Mauerwerk
- Denkmalschutz
Mehr über Baubegriffe erfahren? Besuche unsere Wissensdatenbank auf fredsbauanleitungen.de/rabatt.