Was ist ein Flachziegel?

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Ein Flachziegel ist ein ebener, rechteckiger Dachziegel ohne Seitenfalz, dessen Erscheinungsbild an ein Schieferdach erinnert. Weil ein Falz fehlt, muss der Ziegel seine Dichtheit aus der Überdeckung holen statt aus einem Verfalzungsprofil.

Klassisch werden Flachziegel aus gebranntem Ton hergestellt, es gibt sie aber auch aus Beton, Faserzement, Holz und Kunststoffen wie Verbundwerkstoff oder Hartgummi. Der Biberschwanz — der bekannte Ziegel mit dem gerundeten unteren Rand — ist im Grunde eine Ausführung des Flachziegels.

Doppeldeckung

Während ein gewöhnlicher Falz- oder Wellziegel mit einer Lage auskommt, werden Flachziegel üblicherweise doppelt gedeckt: jeder Ziegel überdeckt nicht nur den Ziegel der darunterliegenden Reihe, sondern auch noch einen Teil der Reihe darunter. An jeder Stelle der Dachfläche liegen dann mindestens zwei Ziegeldicken, und die senkrechte Fuge zwischen zwei Ziegeln wird immer vom Ziegel darüber abgedeckt.

Das macht die Deckung sicher, aber auch schwer: ein Flachziegeldach enthält weit mehr Ziegel pro Quadratmeter als ein Dach mit großformatigen Falzziegeln. Beim Ersatz einer Falzziegeldeckung durch Flachziegel muss der Dachstuhl daher immer nachgerechnet werden — das zusätzliche Eigengewicht ist keine Nebensache.

Dachneigung

Die ebene Form ohne Falz stellt Anforderungen an die Neigung:

  • Ab etwa 35 Grad ist eine Flachziegeldeckung grundsätzlich ohne Zusatzmaßnahmen einsetzbar.
  • Zwischen etwa 30 und 35 Grad ist eine wasserführende Schicht unter den Ziegeln nötig, weil eingewehtes Wasser und Schnee sonst an den Fugen eindringen.
  • Unter 30 Grad wird vom Flachziegel abgeraten; die Überdeckung reicht dann nicht, um aufstauendes Wasser zu halten.

Immer die Verarbeitungsvorschrift des Herstellers beachten: Mindestneigung, Deckmaß und Überdeckung unterscheiden sich je Modell.

Anwendung an der Fassade

Flachziegel werden auch senkrecht als Fassadenbekleidung eingesetzt, etwa an einem Giebel oder an der Wange einer Gaube. An der Fassade beträgt die „Neigung” 90 Grad, Wasserableitung ist dort also kein Problem; die Unterkonstruktion muss allerdings hinterlüftet bleiben und die Ziegel müssen mechanisch befestigt werden.

Praxishinweise

  • Befestigung. Weil der Ziegel leicht und eben ist, ist er windempfindlich. An Dachrändern, am First und bei hohen Gebäuden müssen Ziegel mit Haken, Klammern oder Nägeln gesichert werden.
  • Verband. Ziegel werden im Halbverband gelegt, damit die Fugen nicht übereinanderliegen.
  • Unterkonstruktion. Dachlatten im korrekten Achsabstand sind entscheidend; dieses Maß ergibt sich aus dem Deckmaß des Ziegels, nicht umgekehrt.
  • Instandhaltung. Gebrochene Ziegel lassen sich einzeln austauschen — einer der großen Vorteile gegenüber einer geschlossenen Dachhaut.

Verwandte Begriffe

  • Dachziegel
  • Biberschwanz
  • Falzziegel
  • Dachschiefer
  • Schieferdach
  • Dachneigung
  • Dachlatte / Konterlatte
  • Dachschalung

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