Ein Diagrid (kurz für *diagonal grid*) ist ein tragendes Bauwerk aus einem Netz schräg angeordneter, dreieckiger Elemente entlang der Gebäudeaußenseite. Die Diagonalen nehmen sowohl vertikale Lasten (Eigengewicht) als auch horizontale Kräfte (Wind, Erdbeben) auf, wodurch herkömmliche Stützen entfallen können und großflächige, stützenfreie Grundrisse möglich werden.
Wie funktioniert ein Diagrid?
In einer klassischen Skelettkonstruktion stehen Stützen senkrecht, und Horizontalkräfte werden über separate Aussteifungselemente (Kern, Verbände oder Aussteifungswände) abgetragen. Beim Diagrid übernehmen die schrägen Stäbe beide Aufgaben gleichzeitig:
- Vertikaler Druck wird entlang der Diagonalen zur Gründung geleitet
- Horizontalkräfte werden über dasselbe Dreiecksnetz aufgenommen — ein Dreieck ist formstabil und nicht verformbar
- Biegemomente sind gering, da die Stäbe vor allem auf Normalkraft (Druck oder Zug) beansprucht werden
Anwendung
Diagrids werden vor allem eingesetzt bei:
- Hochhäusern — Hearst Tower (New York), 30 St Mary Axe („The Gherkin”, London) und CCTV Tower (Peking) sind ikonische Beispiele
- Atrium- und Bürogebäuden — für große, stützenfreie Räume
- Gekrümmten oder verdrehten Formen — das Dreiecksnetz folgt komplexen Geometrien problemlos
- Stahldächern und Kuppeln — als räumliches Fachwerk
Vor- und Nachteile
Vorteile:
- 20–30 % Materialeinsparung gegenüber einem klassischen Skelett
- Kein separater Aussteifungskern erforderlich
- Charakteristisches architektonisches Erscheinungsbild
- Flexible Innenraumgestaltung
Nachteile:
- Komplexe Knotenpunkte — jeder Knoten muss viele Stäbe unter verschiedenen Winkeln verbinden
- Höhere Planungs- und Fertigungskosten
- Die Diagonalen kreuzen Fensterelemente und müssen sorgfältig mit der Fassade abgestimmt werden
Verwandte Begriffe
- Skelettbau
- Fachwerk
- Hochfester Beton
- Stahl
- Tragwerk
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