Was ist ein Antentempel?

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Ein Antentempel (lateinisch: templum in antis) ist die einfachste Form eines griechischen Tempels, bei dem die Seitenwände der Cella nach vorn verlängert werden und an der Eingangsseite zwei vorstehende Mauerenden — die sogenannten Anten — bilden. Zwischen diesen Anten stehen in der Regel zwei Säulen, die den Eingang rahmen.

Aufbau und Merkmale

Der Grundriss eines Antentempels ist klar und schlicht. Die Cella (Naos), der geschlossene Hauptraum des Tempels, wird von massiven Seitenmauern eingefasst. An der Eingangsfront ragen die Mauerenden über die eigentliche Cellawand hinaus. Diese Mauervorsprünge heißen Anten (Singular: Ante).

Die Anten bilden zusammen mit den dazwischen gestellten Säulen eine offene Vorhalle (Pronaos). Die Säulen tragen das Gebälk und den Giebel der Frontseite. Die Anten selbst sind häufig mit speziellen Kapitellen versehen, die sich von den Säulenkapitellen unterscheiden — den sogenannten Antenkapitellen.

Varianten

Es gibt zwei Hauptvarianten des Antentempels:

  • Templum in antis: Die Standardform mit Anten und Säulen nur an der Eingangsseite
  • Doppelantentempel (Templum in antis duplex): Sowohl an der Vorder- als auch an der Rückseite sind Anten und Säulen angeordnet, sodass der Tempel eine symmetrische Erscheinung erhält

Historische Bedeutung

Der Antentempel gilt als die Urform des griechischen Tempels und geht auf einfache, mykenische Megaron-Bauten zurück. Bekannte Beispiele sind der Schatzhaus der Athener in Delphi und zahlreiche kleinere Votivtempel in griechischen Heiligtümern.

Ab dem 6. Jahrhundert v. Chr. entwickelten sich aus dem Antentempel komplexere Tempeltypen wie der Prostylos (mit vorgestellter Säulenreihe), der Peripteros (mit umlaufendem Säulenkranz) und der Dipteros (mit doppeltem Säulenkranz).

Bedeutung für die Architekturgeschichte

Der Antentempel zeigt, wie aus einem einfachen Raumkonzept — einem rechteckigen Raum mit vorgezogenen Wänden — die gesamte Formensprache der klassischen Tempelarchitektur hervorgegangen ist. Er ist ein Grundbaustein des architektonischen Vokabulars und wird in der Baukunde als Ausgangspunkt für das Verständnis antiker Tempelformen gelehrt.

Verwandte Begriffe

  • Prostylos
  • Peripteros
  • Cella (Naos)
  • Ante

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