Was ist unbewehrter Beton?

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Unbewehrter Beton ist Beton ohne oder mit nur vernachlässigbarer Bewehrung, der tragend allein auf Druck beansprucht wird. Beton ist unter Druck sehr fest, unter Zug dagegen schwach: Die Zugfestigkeit beträgt nur einen Bruchteil der Druckfestigkeit. Sobald Zugspannungen auftreten, reißt unbewehrter Beton. Deshalb bleibt die Anwendung auf Situationen beschränkt, in denen solche Spannungen kaum entstehen.

Unterschied zu Stahlbeton

Unbewehrter Beton Stahlbeton
Druckkräfte Nimmt der Beton auf Nimmt der Beton auf
Zugkräfte Kaum — er reißt Nimmt der Stahl auf
Spannweite Praktisch keine Als Träger oder Decke möglich
Versagen Spröde, ohne Vorankündigung Mit größerem Verformungsvermögen

Dieses spröde Versagen ist der wichtigste Grund, unbewehrten Beton nur dort einzusetzen, wo es wirklich vertretbar ist: Es gibt keine sichtbare Vorwarnung.

Anwendung

  • Sauberkeitsschicht — eine dünne Lage Magerbeton unter einem Fundament, um eben und sauber bewehren und betonieren zu können
  • Füllbeton — Verfüllen von Aussparungen, alten Kellern oder Hohlräumen unter einer Konstruktion
  • Massive Fundamentblöcke und Köcher, bei denen die Last nahezu rein vertikal eingeleitet wird
  • Pflasterbettung, Bordsteine und Rückenstützen
  • Stampfbeton im historischen Bau — lagenweise verdichtet, bis ins frühe 20. Jahrhundert häufig in Kellern, Wänden und Fundamenten
  • Bodenplatten auf gut verdichtetem Untergrund mit begrenzter Belastung; in der Praxis wird hier meist doch Stahlfaser- oder Mattenbewehrung eingesetzt, um Schwindrisse zu beherrschen

Zu beachten

  1. Unbewehrt heißt nicht “ohne Nachweis”. Auch eine unbewehrte Konstruktion muss nachgewiesen werden; bei Gründungen gehört das in die Tragwerksplanung
  2. Schwinden beherrschen. Beton schwindet beim Erhärten. Ohne Bewehrung entstehen die Schwindrisse dort, wo es sich zufällig ergibt; mit Kerbschnitten oder Scheinfugen legst du fest, wo
  3. Nachbehandlung ist entscheidend. Den Beton nach dem Einbau mindestens einige Tage feucht halten oder abdecken — zu schnelles Austrocknen ergibt eine schwache Oberfläche und Schwindrisse
  4. Punktlasten und einseitige Auflagerung vermeiden; sie erzeugen gerade Biegung und damit Zug
  5. Die richtige Festigkeits- und Expositionsklasse wählen. Außen eingebauter Beton muss frostbeständig sein; die Expositionsklassen nach DIN EN 206 bestimmen die Zusammensetzung

Verwandte Begriffe

  • Stahlbeton
  • Bewehrung
  • Stampfbeton
  • Sauberkeitsschicht
  • Schwindriss
  • Betonfestigkeitsklasse
  • Flachgründung

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