Castellum und Castrum sind Begriffe aus der romischen Militararchitektur. Ein Castrum war ein grosses, befestigtes Legionslager, wahrend ein Castellum ein kleineres Kastell fur Hilfstruppen bezeichnete. Beide folgten einem standardisierten Grundriss, der die Stadtentwicklung in ganz Europa nachhaltig pragte.
Aufbau und Unterschied
Das Castrum diente als permanentes Lager fur eine gesamte Legion (ca. 5.000 bis 6.000 Mann). Es hatte einen rechteckigen Grundriss, umgeben von einem Erdwall (Vallum), einem Graben und einer Holz- oder Steinmauer. Im Inneren kreuzten sich zwei Hauptstrassen: die Via Principalis und die Via Praetoria. Am Kreuzungspunkt lag das Hauptquartier (Principia) mit dem Stabsgebaude.
Ein Castellum war kleiner und beherbergte eine Kohorte oder Ala (500 bis 1.000 Mann). Der Grundriss folgte dem gleichen Prinzip, jedoch in verkleinertem Massstab. Castella wurden besonders entlang der Reichsgrenzen (Limes) als Teil eines zusammenhangenden Verteidigungssystems errichtet.
Typische Baumerkmale beider Typen umfassen:
- Rechteckiger Grundriss mit abgerundeten Ecken
- Vier Tore, je eines pro Seite
- Interne Gliederung mit Kasernen, Getreidespeichern (Horrea), Badehaus und Lazarett
- Verteidigungsturme in regelmassigen Abstanden
Anwendung
Die Bedeutung fur die Stadtplanung ist kaum zu uberschatzen. Zahlreiche europaische Stadte entstanden direkt auf den Fundamenten romischer Lager. Koln (Colonia), Wien (Vindobona), Regensburg (Castra Regina) und viele weitere Stadte verdanken ihren Grundriss dem romischen Lagerschema. Das rechtwinklige Strassennetz vieler historischer Innenstadtbereiche geht unmittelbar auf die romische Lagerplanung zuruck.
Verwandte Begriffe
- Limes
- Festungsbau
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