Die obere Bewehrung ist die Bewehrung (Betonstahl) in der oberen Zone einer Betonkonstruktion, die dort eingelegt wird, um Zugspannungen aufzunehmen, die der Beton allein nicht tragen kann. Sie ist ein unverzichtbarer Bestandteil des Stahlbetonbaus und sorgt für die Tragfähigkeit und Dauerhaftigkeit von Decken, Balken und Platten.
Warum ist obere Bewehrung notwendig?
Beton hat eine hohe Druckfestigkeit, kann aber nur geringe Zugkräfte aufnehmen. Wird eine Stahlbetonplatte belastet, entstehen je nach Belastungsart unterschiedliche Spannungsverteilungen. Bei einer frei aufliegenden Platte treten die Zugspannungen an der Unterseite auf — dort liegt die untere Bewehrung. Bei durchlaufenden Platten über Stützen oder Wänden hingegen kehren sich die Verhältnisse um: Über den Auflagern entstehen die Zugspannungen an der Oberseite. Genau dort wird die obere Bewehrung benötigt.
Ohne obere Bewehrung würde der Beton an diesen Stellen reißen, und die Konstruktion könnte versagen. Die obere Bewehrung nimmt die Zugkräfte auf und leitet sie sicher in die angrenzenden Bauteile weiter.
Anwendung im Bauwesen
Die obere Bewehrung besteht aus Betonstahl (Bewehrungsstäben oder Bewehrungsmatten), der vor dem Betonieren auf sogenannten Abstandhaltern positioniert wird. Diese stellen sicher, dass der Stahl die richtige Lage innerhalb der Betonkonstruktion einnimmt — die sogenannte Betondeckung muss eingehalten werden, um den Stahl vor Korrosion zu schützen.
Bei Fundamentplatten wird die obere Bewehrung oft als Bewehrungsmatte verlegt, die mit Abstandhaltern (Körben) auf der richtigen Höhe gehalten wird. Bei Unterzügen und Balken werden Einzelstäbe mit Bügeln fixiert.
Die korrekte Verlegung der oberen Bewehrung ist entscheidend: Rutscht sie während des Betonierens nach unten ab, verliert sie ihre Wirksamkeit. Daher überwacht der Tragwerksplaner die Bewehrungsarbeiten vor dem Betonieren.
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