Luftkalk ist Kalk, der ausschließlich an der Luft erhärtet: Er nimmt Kohlendioxid auf und wandelt sich dabei langsam wieder in Kalkstein um. Dieser Vorgang heißt Karbonatisierung. Ohne Luftkontakt erhärtet Luftkalk nicht — daher der Name.
In der europäischen Normung (DIN EN 459-1) wird Luftkalk mit den Buchstaben CL (calcium lime) und dem Gehalt bezeichnet, etwa CL 90. Das Gegenstück ist der hydraulische Kalk (NHL), der auch unter Wasser und ohne Luftzutritt erhärtet.
Der Kalkkreislauf
- Brennen — Kalkstein wird bei hoher Temperatur zu Branntkalk gebrannt
- Löschen — mit Wasser entsteht Löschkalk: als Pulver (Kalkhydrat) oder bei Überschusswasser als Sumpfkalk
- Verarbeiten — mit Sand und Wasser zu Mörtel oder Putz gemischt
- Karbonatisieren — der Kalk nimmt CO2 auf und wird wieder Kalkstein
Der letzte Schritt verläuft von außen nach innen und ist langsam: Tage bis Wochen für die Oberfläche, Monate bis Jahre für eine dicke Mörtelfuge.
Eigenschaften
| Eigenschaft | Bedeutung in der Praxis |
|---|---|
| Diffusionsoffen | Feuchte kann nach außen austrocknen — entscheidend bei altem, feuchtem Mauerwerk |
| Weich und flexibel | Nimmt kleine Bewegungen ohne Risse auf; die Fuge nimmt Schaden statt des Steins |
| Selbstheilend | Feine Haarrisse können durch gelösten Kalk teilweise zuwachsen |
| Geringe Festigkeit | Nicht als tragender oder belasteter Mörtel geeignet |
| Langsam | Verlangt Geduld und Nachbehandlung |
Anwendungsbereiche
- Restaurierung historischen Mauerwerks, wo Zementmörtel den weichen alten Ziegel zerdrücken würde
- Kalkputz und Kalkglätte im Innenraum, mit charakteristisch matter, lebendiger Optik
- Kalkfarbe auf mineralischen Untergründen
- Feuchte Räume und Keller, wegen der hohen Alkalität, die Schimmelwachstum hemmt, und der Diffusionsoffenheit
Praktische Hinweise
- Nicht in praller Sonne oder Zugluft verarbeiten — die Schicht trocknet dann schneller, als sie karbonatisiert, und sandet ab
- Nachbehandeln — halten Sie die Fläche einige Tage feucht, etwa mit feinem Sprühnebel
- Nicht bei Frost — verarbeiten Sie über einigen Grad plus und schützen Sie das Werk mehrere Wochen vor Frost
- Untergrund vornässen — ein trockener, saugender Untergrund entzieht das Anmachwasser, und der Kalk haftet nicht
- Schützen Sie sich — Kalk ist stark alkalisch und greift Haut und Augen an. Handschuhe und Schutzbrille sind Pflicht
- Nie zuschmieren — eine zementgebundene oder kunststoffhaltige Beschichtung über Kalkarbeit hebt die Diffusionsoffenheit auf und verlagert das Feuchteproblem
Verwandte Begriffe
- Kalk
- Kalkmörtel
- Sumpfkalk
- Kalkstein
- Karbonatisierung
- Kalksandstein
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