Laubwerk ist Ornament, das Blätter und Blattwerk nachbildet, angebracht als Schmuck an einer Fassade, einer Decke, einem Kapitell, einem Gesims oder einem Möbelstück. Das Wort geht auf ‘Laub’ — Blattwerk — zurück.
Es ist eines der ältesten und beständigsten Motive der Baukunst. Vom griechischen Tempel bis zur Jugendstilfassade taucht das Blatt immer wieder auf, jedes Mal in der Formensprache der eigenen Zeit.
Die wichtigsten Formen
- Akanthusblatt. Das gezackte, sich einrollende Blatt der Akanthuspflanze. Das Motiv des korinthischen und des komposit Kapitells und danach nahezu jeder klassischen Konsole, jedes Kranzgesimses und jedes Möbelfußes. Erkennbar an den tief ausgeschnittenen Lappen mit spitzen Einkerbungen.
- Ranke oder Rinceau. Ein durchlaufender, geschwungener Stängel, aus dem Blätter und mitunter Blüten hervorgehen. Ideal für einen Fries oder ein langgestrecktes Gesims, weil sich das Motiv endlos fortsetzen lässt.
- Girlande und Feston. Ein gebundener Kranz aus Blättern, Blüten und Früchten, der an zwei Punkten hängt und in der Mitte durchhängt. Kennzeichnend für Renaissance und Klassizismus, häufig über einem Fenster oder zwischen zwei Konsolen.
- Blattkelch und Wasserblatt. In der Romanik und Frühgotik: ein einfacheres, breites und flaches Blatt rund um den Kapitellkelch, ohne die scharfen Zacken des Akanthus.
- Naturnahes Blattwerk. In der Hochgotik wurden heimische Pflanzen — Eiche, Efeu, Stechpalme, Weinrebe — erkennbar und naturgetreu gehauen, statt des stilisierten klassischen Blattes.
- Peitschenhieb und organische Ranke. Im Jugendstil kehrt das Blattmotiv als fließende, asymmetrische Linie zurück.
Wo es auftritt
Laubwerk sitzt nahezu immer an Stellen, an denen ein Übergang oder ein Endpunkt liegt: am Kapitell zwischen Säule und Bogen, an einer Konsole unter einem Gesims, im Fries unter einem Kranzgesims, rund um eine Deckenrosette und an den Ecken eines Feldes. Das Motiv füllt die Stelle, an der die Konstruktion die Richtung wechselt.
Werkstoff und Technik
- Naturstein — vom Bildhauer gehauen, jedes Stück ein Unikat.
- Holz — geschnitzt, oft in einer separaten Lage, die auf den Untergrund geleimt wird, damit nicht aus dem vollen Holz gearbeitet werden muss.
- Stuck und Gips — in einer Form gegossen, wodurch sich ein Motiv bezahlbar wiederholen ließ. Das machte reiches Ornament im 19. Jahrhundert einem weit breiteren Publikum zugänglich.
- Terrakotta und Gusseisen — industriell hergestelltes Ornament, das ab dem 19. Jahrhundert in großem Umfang in Fassaden verarbeitet wurde.
Instandsetzung
Beschädigtes Laubwerk lässt sich fast immer instand setzen und muss selten ersetzt werden:
- Zuerst fotografieren und aufmessen. Ein fehlendes Teil wird nach dem Spiegelbild oder nach einem identischen Exemplar an anderer Stelle der Fassade rekonstruiert. Dieses Referenzstück suchen, bevor etwas entfernt wird.
- Bei Stuckornament lässt sich von einem intakten Exemplar eine Silikonform abnehmen, woraufhin das fehlende Stück in Gips gegossen und eingesetzt wird.
- Bei Naturstein wird ein Vierung eingeklebt oder mit einem Steinergänzungsmörtel angearbeitet — niemals mit gewöhnlichem Zementmörtel, der härter ist als der Stein und diesen dann beschädigt.
- Überzählige Farbschichten vorsichtig abnehmen. Auf altem Ornament liegen mitunter zehn oder mehr Anstriche, die das Profil vollständig zugesetzt haben. Das Motiv sitzt meist noch scharf darunter.
- Bei einem Baudenkmal ist die Instandsetzung von Ornament genehmigungspflichtig. Vorab mit der Denkmalbehörde abstimmen.
Verwandte Begriffe
- Ornament
- Akanthus
- Kapitell
- Girlande
- Kranzgesims
- Stuck
- Konsole
- Jugendstil
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