Kurvatur ist die bewusste, kaum wahrnehmbare Wölbung horizontaler Bauteile wie Stufen, Architrave oder Gebälke in der antiken griechischen Architektur, die als optische Korrektur gegen den Eindruck des Durchhängens eingesetzt wurde. Sie zählt zu den raffiniertesten Gestaltungsmitteln der klassischen Baukunst.
Anwendung
Die Kurvatur gehört zu einer Reihe von optischen Korrekturen, die griechische Architekten anwandten, um ihren Tempeln ein Höchstmaß an visueller Vollkommenheit zu verleihen. Das menschliche Auge nimmt lange, exakt waagerechte Linien als leicht durchhängend wahr. Um diesem Effekt entgegenzuwirken, wurden die horizontalen Elemente eines Tempels mit einer minimalen Aufwärtswölbung versehen.
Am Parthenon auf der Athener Akropolis, dem berühmtesten Beispiel, beträgt die Kurvatur des Stylobats an den Längsseiten etwa 11 Zentimeter auf eine Länge von rund 70 Metern. An den Schmalseiten liegt die Wölbung bei etwa 6 Zentimetern. Diese Krümmung setzt sich durch sämtliche horizontalen Glieder des Bauwerks fort, vom Krepidoma über die Architrave bis zum Geison.
Die Herstellung der Kurvatur erforderte außerordentliche Präzision. Jeder einzelne Steinblock musste individuell zugeschnitten werden, da keine zwei Blöcke identische Maße aufwiesen. Die Lagerfugen mussten entsprechend der Krümmung angepasst werden, was den Aufwand bei der Steinbearbeitung erheblich steigerte.
Neben dem Parthenon weisen auch der Hephaisteion in Athen, der Tempel von Segesta auf Sizilien und der Apollontempel in Korinth Kurvaturen auf. In der römischen Architektur wurde das Prinzip vereinzelt übernommen, verlor aber an Bedeutung. Erst in der Renaissance wurde die Kurvatur als theoretisches Konzept wiederentdeckt.
Verwandte Begriffe
- Krepidoma
- Stylobat
- Entasis
- Optische Korrektur
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