Gewachsener Boden ist Baugrund, der nicht abgegraben, umgelagert oder aufgefüllt wurde und dadurch seine natürliche Schichtung und Lagerungsdichte behalten hat. Das Gegenteil ist gestörter oder aufgefüllter Boden: Erdreich, das ausgehoben und zurückgeschüttet oder mit Sand und Bauschutt aufgehöht wurde. Im Englischen spricht man von undisturbed soil.
Warum der Unterschied zählt
Boden verdankt seine Tragfähigkeit der über Jahrtausende entstandenen Lagerung der Körner und der Bindung zwischen den Teilchen. Sobald der Boden umgelagert wird, ist diese Lagerung zerstört:
- Die Tragfähigkeit sinkt — gestörter Boden trägt oft nur einen Bruchteil der ursprünglichen Last
- Nachsackungen — lose geschütteter Boden setzt sich über Jahre, mit Rissbildung im Bauwerk als Folge
- Unberechenbarkeit — ohne kontrollierte Verdichtung ist die Tragfähigkeit nicht zuverlässig anzusetzen
Anwendung
Bei Gründungen. Eine Flachgründung (Streifen- oder Plattenfundament) muss auf gewachsenem, tragfähigem Boden oder auf einer fachgerecht eingebauten und verdichteten Sandschicht aufliegen. Wird zu tief ausgehoben, darf nicht mit losem Aushub verfüllt werden — stattdessen lagenweise in 20-30 cm starken Schichten verdichtet auffüllen oder das Fundament bis auf den festen Horizont führen.
Bei der Baugrunduntersuchung. Für Festigkeits- und Zusammendrückbarkeitswerte wird eine ungestörte Probe benötigt, die mit einem Entnahmezylinder gewonnen wird, damit die Struktur erhalten bleibt. Eine gestörte Probe eignet sich nur zur Bestimmung von Bodenart und Zusammensetzung.
Bei Pflasterflächen und Terrassen. Auch unter einer Einfahrt oder Terrasse entscheidet der Untergrund. Auf noch nicht gesetztem, aufgefülltem Boden sacken Platten innerhalb weniger Jahre sichtbar ab.
Praktische Hinweise
- Aufgefüllten Boden erkennt man an Beimengungen von Bauschutt, Ziegel oder Kunststoff und an einer gemischten Färbung — ein natürlicher Boden zeigt deutliche waagerechte Horizonte
- Nicht tiefer ausheben als nötig — was ausgehoben wird, lässt sich nicht in gleicher Qualität zurücklegen
- In dünnen Lagen verdichten und geeignetes Material verwenden; nicht jede Bodenart ist verdichtbar
- Auf alte Leitungsgräben achten — dort sackt ein Fundament später oft örtlich ab
- Im Zweifel eine Baugrunduntersuchung durchführen lassen; eine Sondierung zeigt die Tragfähigkeit je Tiefe
Verwandte Begriffe
- Baugrunduntersuchung
- Sondierung
- Flachgründung
- Gründungstiefe
- Verdichtung
- Setzung
- Tragfähigkeit
Mehr über Baubegriffe erfahren? Besuche unsere Wissensdatenbank auf fredsbauanleitungen.de/rabatt.