Die Unterzugsanierung ist die tragfähige Instandsetzung eines geschädigten Hauptbalkens in einem historischen Gebäude, bei der möglichst viel Originalholz erhalten bleibt. In der Praxis geht es fast immer um das Balkenende in der Außenwand: Dort ist das Holz durch Feuchte und fehlende Belüftung verfault, während der übrige Balken kerngesund ist.
Ein kompletter Balkentausch ist im Denkmal selten die erste Wahl. Er ist teuer, verlangt großen Eingriff ins Mauerwerk und vernichtet Material mit historischem Wert. Die Instandsetzung nur des geschädigten Abschnitts ist meist besser und günstiger.
Zuerst: die Ursache abstellen
Jede Reparatur ist wirkungslos, wenn die Feuchte bleibt. Zu prüfen sind:
- Undichte Rinne, Traufe oder Fallrohr über dem Balkenkopf
- Durchschlagende Feuchte oder Risse im Mauerwerk
- Aufsteigende Feuchte bei tief liegenden Balkenlagen
- Ein zugeschmiertes Balkenloch ohne Lüftungsraum
- Zementputz oder eine dampfdichte Innenbekleidung, die das Holz einschließt
Die Holzfeuchte messen. Dauerhaft über etwa 20 Prozent bleiben Pilze aktiv; darunter kommt der Befall zum Stillstand.
Sanierungsmethoden
| Methode | Wann geeignet |
|---|---|
| Holzprothese / Anlaschung | Das faule Ende wird abgetrennt und ein neues Stück derselben Holzart mit Schrägblatt, Dübeln oder Klebefugen angesetzt. Die gängigste und am besten rückbaubare Lösung |
| Epoxidharz mit Bewehrung | Das geschädigte Holz wird ausgeräumt, nichtrostende oder glasfaserverstärkte Stäbe eingelegt und mit Gießharzmörtel vergossen. Unsichtbar, aber dampfdicht und schlecht rückbaubar |
| Stahllaschen oder Balkenschuh | Zwei Stahlplatten oder ein eingelassenes Flacheisen übernehmen das Balkenende. Schnell und tragfähig, aber sichtbar und kondensatempfindlich |
| Entlastung | Ein neues Auflager wird geschaffen: eine Stahlkonsole, ein Balkenschuh oder eine neue Mauerlatte, sodass die Last nicht mehr über den faulen Kopf läuft |
| Vollständiger Austausch | Nur wenn der Balken über die ganze Länge geschädigt oder zu stark verformt ist |
Worauf zu achten ist
- Genehmigung. Bei einem Baudenkmal ist eine denkmalrechtliche Erlaubnis erforderlich. Vorab mit der Denkmalbehörde abstimmen; sie stellt oft Anforderungen an die Methode
- Neuen Balkenkopf belüften. Rund um das Balkenende Luftraum im Mauerwerk lassen. Niemals vollständig einmauern oder in Bauschaum setzen
- Nicht teeren oder abdichten. Eine dampfdichte Schicht hält die Feuchte gerade im Holz fest
- Vorher abstützen. Die Decke abfangen, bevor gesägt wird — der Balken trägt Decke und mitunter darüberliegende Wände
- Gleiche Holzart verwenden und vergleichbare Qualität; unterschiedlich arbeitende Hölzer reißen an der Fuge auf
- Aktiven Hausbock gesondert bekämpfen. Eine statische Reparatur tötet keine Larven
Der Nachweis der Anlaschung oder Prothese gehört immer in die Hand eines Tragwerksplaners. Die Verbindung muss dieselben Kräfte aufnehmen wie das ursprüngliche Holz.
Verwandte Begriffe
- Unterzug
- Balkenkopf
- Balkendecke
- Holzfäule
- Hausbock
- Restaurierung
- Denkmalschutz
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