Was ist eine schiefwinklige Ecke?

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Eine schiefwinklige Ecke ist eine Ecke, die nicht rechtwinklig ist: keine 90 Grad, sondern spitzer oder stumpfer. Im Niederländischen heißt sie lepe hoek, wobei leep schief oder schräg bedeutet.

Der Begriff taucht auf, sobald ein Gebäude oder ein Bauteil von der Rechteckform abweicht: bei einem schräg verlaufenden Grundstück, bei einer Straße, die nicht rechtwinklig anschließt, bei einem vieleckigen Turm oder Erker — und bei Treppen.

Im Mauerwerk

An einer schiefwinkligen Ecke läuft der Mauerverband nicht von selbst um die Ecke. In einer rechtwinkligen Ecke wechseln Kopf und Läufer sauber ab; bei einem schrägen Winkel entsteht in jeder Schicht ein Passstück, das zugerichtet werden muss — der sogenannte Schrägstein.

Wichtige Punkte:

  • Den Winkel exakt in Grad aufmessen, nicht „ungefähr schräg”. Eine Schmiege (verstellbarer Winkel) oder einen digitalen Winkelmesser verwenden und den Winkel in die Zeichnung eintragen.
  • Formsteine bestellen statt sägen. Viele Ziegelwerke liefern Formsteine für feste Winkel (etwa 30, 45 oder 60 Grad). Ein Formstein hat eine gebrannte Haut auf der Sichtseite; ein gesägter Stein zeigt den bleichen Kern.
  • Splitter vermeiden. Steinstücke kleiner als etwa ein Viertelstein sind im Sichtmauerwerk unschön und schwach. Lieber den Verband verschieben, als in jeder Schicht einen Splitter einzumauern.
  • Spitze Winkel sind empfindlich. Bei einem Winkel unter etwa 60 Grad ist die Steinnase sehr bruchgefährdet. Dann besser eine abgeschrägte oder gerundete Eckausbildung wählen als eine scharfe Spitze.
  • Mehr Fugenarbeit und mehr Zeit einplanen. Eine schiefwinklige Ecke kostet je laufendem Meter deutlich mehr Arbeit als eine rechtwinklige; das gehört in die Kalkulation.

Bei Treppen

Im Treppenbau hat der Begriff eine besondere Bedeutung: die Außenecke eines Viertels (dort, wo die Treppe eine Vierteldrehung macht) wird schräg abgeschnitten statt rechtwinklig ausgeführt. Meist geschieht das, um Platz für eine Leitung, einen Schacht oder einen Schornstein zu schaffen, der genau an dieser Stelle an der Treppe vorbeimuss, oder damit eine Tür neben der Treppe aufschlagen kann.

Beim Aufmaß einer Treppe ist die schiefwinklige Ecke deshalb ein eigenes Maß: nicht nur Breite und Länge des Viertels angeben, sondern auch die Länge der abgeschrägten Seite und deren Winkel.

In der Zeichnung

Eine schiefwinklige Ecke immer ausdrücklich in die Bauzeichnung eintragen, mit dem Winkel in Grad oder mit zwei Maßlinien, aus denen sich der Winkel ableiten lässt. Ein Winkel von 87 Grad ist auf einer Zeichnung nicht von 90 zu unterscheiden, läuft auf der Baustelle über 10 Meter aber gut einen halben Meter aus dem Lot.

Verwandte Begriffe

  • Schrägstein
  • Mauerverband
  • Gehrung
  • Kreuzverband
  • Halbsteinmauer
  • Wendeltreppe
  • Blockverband

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