Ein Taharahaus — im Niederländischen metaheerhuis oder metaarhuis — ist das Gebäude auf einem jüdischen Friedhof, in dem der oder die Verstorbene vor der Beisetzung rituell gereinigt wird. Der Name geht auf das hebräische tahara („Reinigung”) zurück; das Gebäude wird auch Bet Tahara genannt. Auf einem allgemeinen Friedhof entspricht ihm funktional die Leichenhalle.
Funktion
In der jüdischen Tradition wird ein Verstorbener möglichst innerhalb von 24 Stunden bestattet. Bis dahin liegt er im Taharahaus. Dort führt die Beerdigungsbruderschaft (Chewra Kadischa) die Tahara durch: Der Leichnam wird mit Wasser gereinigt und in leinene Tücher gekleidet. Männer versorgen Männer, Frauen versorgen Frauen.
Bauliche Merkmale
Taharahäuser sind meist klein und schlicht; der Stil richtet sich nach dem Baujahr — vom einfachen Ziegelbau des 19. Jahrhunderts bis zu Entwürfen des frühen 20. Jahrhunderts mit Anklängen an die Amsterdamer Schule.
Typische Elemente:
- Ein bis zwei Räume: ein Reinigungsraum, mitunter ein Warteraum
- Eine Wasserstelle (Pumpe, später Leitungswasser) und ein Bodenablauf
- Fliesen oder Werkbänke aus Naturstein, die sich gut reinigen lassen
- Hoch sitzende Fenster für Licht bei gewahrter Privatsphäre
- Eine breite Tür zum Friedhof, damit die Bahre hinausgetragen werden kann
Denkmalwert
Viele niederländische und deutsche Taharahäuser wurden nach dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr genutzt, weil die jüdische Gemeinde vor Ort nicht mehr bestand. Ein Teil verfiel oder wurde abgebrochen, ein Teil ist restauriert und steht unter Denkmalschutz. Bei der Instandsetzung gilt dasselbe wie bei anderen kleinen Baudenkmalen: Originalsubstanz erhalten, bei historischem Mauerwerk mit Kalkmörtel arbeiten und zuerst das Dach dicht machen, denn Undichtigkeiten verursachen die meisten Folgeschäden.
Verwandte Begriffe
- Leichenhalle
- Denkmal
- Umnutzung
- Kulturhistorischer Wert
- Restaurierung
- Kalkmörtel
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