Ein Strebebogen ist ein schräg ansteigender, frei durch die Luft geführter Bogen, der den Seitenschub eines Gewölbes aufnimmt und über das Seitenschiff hinweg auf einen schweren Strebepfeiler außerhalb des Gebäudes überträgt. Im Französischen arc-boutant, im Englischen flying buttress, im Niederländischen luchtboog.
Der Strebebogen ist die konstruktive Erfindung der Gotik. Ohne ihn mussten Kirchenmauern dick und geschlossen sein, um den Gewölbeschub aufzunehmen. Mit Strebebögen ließ sich der Schub außerhalb des Gebäudes abfangen — der Grund, warum gotische Kirchen riesige Glasfenster bekommen konnten.
Wie funktioniert er?
Ein steinernes Gewölbe drückt nicht nur nach unten, sondern auch nach außen. Diese seitliche Komponente, der Gewölbeschub, lässt eine Wand ausweichen.
- Der Gewölbeanfänger im Mittelschiff gibt den Schub an die Obergadenwand ab
- Der Strebebogen nimmt die Kraft auf und leitet sie schräg nach außen und unten
- Der Strebepfeiler wandelt sie in eine vertikale Kraft zum Fundament um
- Eine Fiale — das verzierte Türmchen obenauf — fügt Gewicht hinzu, wodurch die Resultierende steiler verläuft und im Kern des Pfeilers bleibt
Bei großen Kathedralen liegen Strebebögen manchmal in zwei Ebenen übereinander: die untere fängt das Gewölbe ab, die obere vor allem den Winddruck auf das hohe Dach.
Wichtig zu wissen
- Ein Strebebogen ist ein Druckglied: Er wirkt nur, solange er belastet ist. Ihn zu entfernen oder zu entlasten kann das Gewölbe ausweichen lassen
- Bei der Denkmalpflege sind die Oberseite des Bogens und der Rinnenanschluss die empfindlichsten Punkte: Dort dringt Wasser ein und der Mörtel wird ausgewaschen
- Das moderne Gegenstück desselben Prinzips sind Zugstangen und Zuganker, die den Schub statt mit Druck mit Zug aufnehmen
Verwandte Begriffe
- Strebepfeiler
- Bogenfeld
- Binder
- Zinne
- Dachkonstruktion
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