Was ist ein Obergaden (Lichtgaden)?

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Der Obergaden ist die mit Fenstern versehene Wandzone im Mittelschiff einer Kirche, oberhalb der Dächer der Seitenschiffe. Weil das Mittelschiff höher ist als die Seitenschiffe, entsteht dort eine frei liegende Wandzone, die Fenster aufnehmen kann — die wichtigste Lichtquelle des Schiffs.

Der internationale Begriff lautet Clerestorium (englisch clerestory), im Niederländischen lichtbeuk.

Warum gibt es den Obergaden?

Eine Basilika unterscheidet sich von einer Hallenkirche gerade durch diesen Höhenunterschied: Mittelschiff hoch, Seitenschiffe niedrig. In einer Hallenkirche sind alle Schiffe (annähernd) gleich hoch, sodass es keine freie Wandzone über den Seitenschiffdächern gibt und das Licht ausschließlich über die Außenwände der Seitenschiffe eintritt. Eine Basilika erhält ihr Licht von hoch oben, was das Schiff heller macht und den Raum höher wirken lässt.

Konstruktiv hat das seinen Preis. Die hohe, durchbrochene Mittelschiffwand steht frei im Wind und trägt zudem das Gewölbe. Diese seitlichen Kräfte müssen abgeleitet werden — in der Romanik durch schwere Mauern, in der Gotik durch Strebebögen und Strebepfeiler über die Seitenschiffe hinweg. Je größer die Fenster im Obergaden, desto schwerer das Strebewerk außen.

Im Aufbau einer gotischen Mittelschiffwand liegt der Obergaden zuoberst: unten die Arkade zum Seitenschiff, darüber mitunter ein Triforium, und darüber der Obergaden.

Der moderne Obergaden

Das Prinzip wird weiterhin genutzt, nur ohne die kirchliche Begrifflichkeit: hoch angeordnete Fenster, die Tageslicht tief in einen Raum bringen. Man sieht es in Werkhallen, Sporthallen, Schulen und in Wohnhäusern mit erhöhtem Dachteil.

Die Anziehungskraft ist dieselbe wie im Mittelalter:

  • Licht dringt weiter ein. Als Faustregel dringt Tageslicht etwa anderthalb bis zwei Mal so weit in den Raum wie die Oberkante des Fensters hoch liegt. Ein hoch sitzendes Fenster belichtet also viel tiefer als ein gleich großes Fenster weiter unten.
  • Kein Einblick und kein Verlust an Wandfläche. Unter einem hohen Fenster lässt sich problemlos ein Schrank oder ein Bett aufstellen.
  • Gleichmäßigeres Licht. Licht von oben erzeugt weniger Kontrast und weniger Blendung als ein großes Fenster in nur einer Fassade.

Hinweise zur Anwendung

  • Sonnenschutz nach Süden und Westen. Ein unverschatteter Obergaden nach Süden führt im Sommer zu kräftiger Aufheizung. Ein Dachüberstand, außenliegender Sonnenschutz oder Sonnenschutzglas gehört in die Wärmebilanz.
  • Erreichbarkeit. Fenster in vier Metern Höhe müssen gereinigt und gewartet werden können. Vorab an Laufweg, Gerüst oder Bedienstange denken.
  • Lüftung. Warme Luft sammelt sich gerade oben. Ein zu öffnender Flügel im Obergaden wirkt im Sommer hervorragend als Nachtauskühlung.
  • Anschlussdetail. Der Anschluss des niedrigen Dachs an die aufgehende Wand mit Fenstern ist eine klassische Leckstelle; auf ausreichende Anschlusshöhe und eine korrekte Wandanschlussblende achten.

Verwandte Begriffe

  • Basilika
  • Seitenschiff
  • Schiffbreite
  • Tageslichtquotient
  • Lichtband
  • Lichthaube
  • Lichtdurchlässigkeit

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