Ein Löffelbohrer ist ein Bohrer, dessen arbeitende Spitze die Form eines Löffels oder Halbrohrs hat. Im Bauwesen bezeichnet der Begriff zwei verschiedene Werkzeuge: einen Erdbohrer für die Baugrunderkundung und einen Holzbohrer zum Aushöhlen von Holz.
Der Löffelbohrer als Erdbohrer
Bei der Baugrunderkundung ist der Löffelbohrer ein Handbohrer, mit dem sich der Bodenaufbau vor Ort bestimmen lässt. Man dreht den Bohrer in den Boden; beim Herausziehen bleibt das Bodenmaterial im löffelförmigen Teil zurück. Diese Probe lässt sich ansehen, befühlen und ansprechen: Sand, Ton, Torf, Lehm, Bauschutt.
Zur selben Familie gehören der Schneckenbohrer und der Edelman-Bohrer; welcher zum Einsatz kommt, hängt von der Bodenart ab. Für trockenen, lockeren Sand eignet sich ein geschlossener Löffel- oder Kolbenbohrer besser als ein offener Bohrer, weil die Probe sonst herausrieselt.
Wofür wird er verwendet?
- Für einen Anbau oder ein Gartenhaus: ermitteln, in welcher Tiefe tragfähiger Boden ansteht und ob gestörter Boden oder Bauschutt vorliegt.
- Bei Feuchteproblemen: feststellen, ob eine Lehmschicht oder ein Grundwasserstand dicht unter der Gründung liegt.
- Bei Versickerungsanlagen: prüfen, ob der Boden für eine Rigole durchlässig genug ist.
Wichtig: Eine Handbohrung liefert ein Bild des Bodenaufbaus, aber keine Tragfähigkeitsberechnung. Für eine Gründung bleibt eine Sondierung mit zugehörigem Bohrprofil die Grundlage; die Handbohrung ist die günstige erste Erkundung.
Der Löffelbohrer als Holzbohrer
In der Holzbearbeitung ist der Löffelbohrer ein Bohrer mit löffelförmigem, seitlich schneidendem Blatt. Er schneidet nicht über eine Zentrierspitze wie ein moderner Spiralbohrer, sondern schabt und schneidet von der Kante her. Dadurch kann er:
- schräg angesetzt werden, ohne zu verlaufen — historisch unentbehrlich im Stuhlbau, wo Beine schräg in die Sitzfläche gehen;
- ein Loch nachträglich versetzen oder erweitern, was mit einem Spiralbohrer nicht gelingt;
- Holz aushöhlen, etwa bei der Herstellung von Holzschuhen, Trögen und ausgehöhlten Stämmen.
Praxistipps
- Erdbohrer: drehen, nicht reißen. Den Bohrer ruhig eindrehen und gerade herausziehen; Hebeln macht das Loch weiter und die Probe unbrauchbar.
- Die Bohrung dokumentieren. Je Schicht Tiefe und Bodenart notieren — das ist das Bohrprofil. Ohne Protokoll ist die Bohrung im Nachhinein wertlos.
- Auf Kabel und Leitungen achten. Auch eine Handbohrung kann eine Leitung treffen. Vor dem Bohren Leitungsauskunft einholen oder die Bestandspläne prüfen.
- Holzbohrer: von Hand oder mit niedriger Drehzahl. Ein Löffelbohrer ist für die Bohrwinde oder eine geringe Maschinendrehzahl gedacht; bei hoher Drehzahl brennt er und verläuft.
- Die Schneide scharf halten. An der Innenseite des Löffels mit einem gebogenen Abziehstein schärfen; Schleifen an der Außenseite verändert die Form und damit das Verhalten des Bohrers.
Verwandte Begriffe
- Erdbohrer
- Edelman-Bohrer
- Zuwachsbohrer
- Handbohrer
- Bohrprofil
- Nagelbohrer
- Stechbeitel
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