Ein diokletianisches Fenster (auch Thermenfenster genannt) ist ein halbrundes Fenster, das durch zwei vertikale Stiele in drei Felder geteilt wird: ein breiteres Mittelfeld und zwei schmale Seitenfelder. Das Fensterdesign verdankt seinen Namen den Thermen (Badeanlage) des Kaisers Diokletian in Rom (302 n. Chr.), wo es eingesetzt wurde, um große Räume hoch oben mit Tageslicht zu versorgen.
Formmerkmale
Ein typisches diokletianisches Fenster besteht aus:
- Einer halbrunden Oberseite — der Bogen beschreibt einen exakten Halbkreis
- Zwei vertikalen Stielen (Pfosten) — die den Bogen stützen und in drei Felder teilen
- Einem breiteren Mittelfeld — oft doppelt so breit wie die Seitenfelder
- Einer flachen Sohlbank — die das Halbrund nach unten abschließt
Manchmal enthält das Fenster keine weiteren Sprossen, andere Male wird es mit kunstvoller Schmiedearbeit, Bleiverglasung oder einem Muster aus quadratischen Scheiben gefüllt.
Anwendung
Das diokletianische Fenster wurde nach der Antike wiederentdeckt und in verschiedenen Epochen verwendet:
- Römische Kaiserzeit — die Thermen von Diokletian, Caracalla und Konstantin
- Italienische Renaissance — Palladio setzte das Fenster in seinen Villen und Kirchen ein; seine *Quattro Libri* (1570) machten es zu einem festen Bestandteil des klassizistischen Repertoires
- Holländischer Klassizismus (17. Jahrhundert) — Kirchen, Rathäuser und Landhäuser erhielten Thermenfenster im Giebel, in der Fassade oder in der Trommel einer Kuppel
- Klassizismus (18.–19. Jahrhundert) — Rückkehr in englischen Landhäusern (Inigo Jones, Robert Adam), französischen Stadtpalästen und niederländischen Landsitzen
- Spätes 20. Jahrhundert — die Postmoderne verwendete das Fenster als Zitat der klassischen Architektur
Funktion
Das diokletianische Fenster hat neben ästhetischen auch praktische Vorteile:
- Tageslicht hoch im Raum — ideal für große Säle, in denen Fenster im unteren Bereich nicht erwünscht sind (Kirchen, Ballsäle, Theater)
- Stattliche Ausstrahlung — der Halbkreis verweist unmittelbar auf die klassische Baukunst
- Konstruktiv günstig — der Bogen kann eine große Spannweite überbrücken ohne schwere Stürze
Unterschied zum Serliana-Fenster
Nicht zu verwechseln mit dem Serliana- oder Palladio-Fenster: Dieses hat einen halbrunden Mittelbogen mit zwei rechteckigen Seitenfeldern darunter. Das diokletianische Fenster hat durchgehend eine halbrunde Oberseite über die volle Breite.
Verwandte Begriffe
- Bogenfeld
- Lünette
- Klassizismus
- Palladio
- Bandfenster
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