Ein Donjon ist der zentrale, am stärksten ausgeführte Wohn- und Verteidigungsturm einer mittelalterlichen Burg. Der Turm diente als Residenz des Burgherrn, Lagerraum für Vorräte und als letzter Zufluchtsort bei Belagerung. Im deutschen Sprachraum entspricht der Donjon weitgehend dem bewohnbaren Bergfried oder Wohnturm.
Bauliche Merkmale
Ein Donjon ist auf Belagerungssicherheit ausgelegt:
- Dicke Mauern — oft 2 bis 5 Meter stark, aus Bruchstein oder Ziegel mit Werksteinverblendung
- Höhe — meist 15 bis 30 Meter, mit mehreren Geschossen
- Wenige Öffnungen — kleine Schießscharten statt Fenster, besonders im Erdgeschoss
- Hochgelegener Eingang — zugänglich über eine einziehbare Treppe oder Leiter im ersten Obergeschoss
- Gewölbe — unterste Geschosse oft mit schweren Tonnengewölben
- Zinnen — ein zinnenbewehrter Wehrgang im obersten Geschoss
Aufteilung
Von unten nach oben:
- Keller — Lagerung von Lebensmitteln, Wein und Waffen, manchmal Brunnen oder Verlies
- Erstes Obergeschoss — Wachraum und Eingang
- Zweites und drittes Obergeschoss — Wohn- und Schlafräume des Burgherrn
- Wachturm oder Wehrgang — Aussichts- und Verteidigungsposten ganz oben
Historische Entwicklung
Der Donjon entstand im 11. und 12. Jahrhundert vor allem in Frankreich und England (“keep”). Ursprünglich quadratisch im Grundriss, wurden Donjons später oft rund oder vieleckig — weniger anfällig für Mauerbrecher und Unterminierung.
Im 14. Jahrhundert verloren Donjons ihre Verteidigungsfunktion und entwickelten sich zu repräsentativen Wohntürmen. In den Niederlanden sind das Muiderslot und Burg Doornenburg bekannte Beispiele.
Verwandte Begriffe
- Bergfried
- Zinne
- Schießscharte
- Bollwerk
- Festungsbau
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