Der Naos ist der geschlossene Hauptraum eines griechischen Tempels, in dem das Kultbild der Gottheit stand. Im byzantinischen Kirchenbau bezeichnet Naos den zentralen Raum, in dem sich die Gemeinde versammelt, zwischen Narthex und Altarbereich. Das lateinische Gegenstück für die Tempelbedeutung ist die Cella.
Der Naos im griechischen Tempel
Der griechische Tempel ist kein Versammlungsraum für eine Gemeinde, sondern ein Haus für den Gott. Der Naos ist daher im Verhältnis zum umlaufenden Säulenkranz recht klein. Der Grundriss ist meist dreiteilig:
- Pronaos — die Vorhalle zwischen den Enden der Seitenwände, oft mit zwei Säulen
- Naos — der geschlossene Hauptraum mit dem Kultbild; nur Priester betraten ihn
- Opisthodom — ein rückwärtiger Raum, häufig als Schatzkammer genutzt
Der Naos hat dicke, tragende Wände, die die Decke und den Dachstuhl tragen. Bei großen Tempeln stehen im Inneren zwei Säulenreihen, die das Dach mittragen und das Kultbild rahmen. Fenster fehlen in der Regel: Das Licht fällt durch die Türöffnung ein.
Der Naos in der byzantinischen Kirche
Im östlichen Kirchenbau ist die Gliederung eine andere. Dort bildet der Naos den quadratischen oder kreuzförmigen Mittelraum unter der Hauptkuppel, in dem die Gläubigen stehen. Nach Westen geht ihm der Narthex voraus, nach Osten trennt ihn die Ikonostase vom Altarbereich (Bema und Apsis). Die Kuppel ruht auf Pendentifs oder Trompen über den vier Hauptpfeilern des Naos.
Anwendung
- Archäologie und Restaurierung — bei der Beschreibung von Tempelgrundrissen ist Naos die Standardbezeichnung für den geschlossenen Kern
- Kirchenbau — bei orthodoxen und byzantinischen Kirchen benennt Naos den Gemeinderaum
- Bauforschung — die Unterscheidung von Naos, Pronaos und Peristyl macht Tempel vergleichbar
Verwandte Begriffe
- Cella
- Narthex
- Pronaos
- Apsis
- Peristyl
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