Was ist der Empire-Stil?

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Was ist der Empire-Stil?

Der Empire-Stil ist ein neoklassizistischer Bau- und Dekorationsstil, der während des Ersten Französischen Kaiserreichs unter Napoleon Bonaparte (ca. 1800–1815) entstand und sich bis etwa 1830 in ganz Europa verbreitete. Er verbindet strenge Geometrie und Symmetrie mit monumentaler Grandezza, inspiriert vom alten Ägypten, von Griechenland und vom Römischen Kaiserreich.

Merkmale

Der Empire-Stil ist erkennbar an:

  • Strenge Symmetrie in Grundriss und Fassade
  • Großmaßstäbliche Säulenportika mit korinthischen oder toskanischen Säulen
  • Antiken Motiven — Lorbeerkränze, Adler, Sterne, Palmetten, Sphinxen
  • Militärische Ornamentik — Waffen, Fasces, Insignien
  • Ägyptischen Einflüssen — durch Napoleons Feldzug (Obelisken, Lotusblüten)
  • Vielfarbigem Marmor und vergoldeter Bronze in Innenräumen
  • Glatten Fassaden mit großen rechteckigen Fenstern
  • Profilierten Gesimsen und Giebeln im klassischen Stil

Materialien

Bauteil Material
Fassade Naturstein, verputztes Mauerwerk
Dächer Schiefer oder Zink, oft hinter Attika verborgen
Innenraum Marmor, vergoldete Bronze, Mahagoni, Satinholz
Stoffe Schwere Seide, Brokat, Gelb/Blau/Rot
Böden Parkettböden mit geometrischen Mustern

Anwendung

Der Empire-Stil war vor allem ein Repräsentationsstil für:

  • Paläste und Regierungsgebäude — z. B. Schloss Fontainebleau (nach Umbau)
  • Triumphbögen und Monumente — Arc de Triomphe in Paris (ab 1806)
  • Vornehme Stadt- und Herrenhäuser
  • Kirchen und Mausoleen
  • Interieurs und Möbel — typisch mit Klauenfüßen und Bronzebeschlägen

In Deutschland gelangte der Stil über das Königreich Westfalen und Bayern unter dem Einfluss französischer Künstler. Beispiele finden sich in München, Kassel und Düsseldorf.

Varianten

  • First Empire (Frankreich, 1804–1814) — Original
  • Regency Style (England) — ornamentaler
  • Federal Style (USA) — schlichter
  • Russischer Empire — monumental, goldreich
  • Biedermeier (DE/AT, 1815–1848) — bürgerliche Variante

Übergang zu späteren Stilen

Nach 1830 wendet sich der Geschmack romantischen Historismen zu — Neogotik, Neorenaissance, Eklektizismus — und der Empire-Stil wird als kalt und streng empfunden. Im 20. Jahrhundert wurde die klare Linienführung neu geschätzt.

Verwandte Begriffe

  • Neoklassizismus
  • Empire-Fenster
  • Eklektizismus
  • Klassische Architektur
  • Architrav
  • Gebälk

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