Ein Böhmisches Gewölbe (auch Böhmische Kappe) ist eine flache, schalenförmige Gewölbekonstruktion aus Ziegeln, die zwischen Stahlträgern oder Mauerwerksgurten gespannt wird. Es zeichnet sich dadurch aus, dass es ohne Lehrgerüst freihändig gemauert werden kann.
Konstruktion und Aufbau
Das Böhmische Gewölbe besteht aus folgenden Elementen:
- Tragende Gurte – Stahlträger (I-Profile) oder gemauerte Gurtbögen bilden das Auflager
- Gewölbeschale – eine oder zwei Schichten flach gemauerter Ziegel
- Stichhöhe – die Wölbung beträgt typischerweise nur 1/10 bis 1/15 der Spannweite
- Zwickelfüllung – der Hohlraum zwischen Gewölbe und Oberkante der Träger wird mit Bauschutt oder Leichtbeton verfüllt
Die Ziegel werden in einem spiralförmigen Muster von den Ecken zur Mitte hin verlegt. Durch die schnell abbindende Gipsmörtel-Mischung halten sie sofort, sodass keine Schalung erforderlich ist.
Vorteile
- Feuerfest und tragfähig
- Wirtschaftlich durch den Wegfall der Schalung
- Gute Schall- und Wärmedämmeigenschaften
- Lange Lebensdauer – viele Gewölbe sind über 150 Jahre alt
Anwendung
Böhmische Gewölbe waren von Mitte des 19. bis Anfang des 20. Jahrhunderts eine der beliebtesten Deckenkonstruktionen:
- Altbauten – häufig in Kellern, Treppenhäusern und Erdgeschossen
- Sanierung – Instandsetzung bestehender Gewölbe in denkmalgeschützten Gebäuden
- Neubau – vereinzelt im ökologischen Bauen als Alternative zu Betondecken
Bei der Sanierung muss der Zustand der Stahlträger besonders geprüft werden, da Korrosion die Tragfähigkeit gefährden kann.
Verwandte Begriffe
- Kappendecke
- Kreuzgewölbe
- Preußische Kappe
Mehr über Baubegriffe erfahren? Besuche unsere Wissensdatenbank auf fredsbauanleitungen.de/rabatt.