Seit Februar 2026 dürfen Sie kein Neubauprojekt mehr abschließen, ohne eine glasfasergerechte Verkabelung installiert zu haben. Die europäische Gigabit-Infrastrukturverordnung (Gigabit Infrastructure Act) ist in Kraft, und sie schreibt vor, dass jedes neue Gebäude und jede umfassend sanierte Wohnung für Glasfaser vorbereitet sein muss. Keine Option mehr, sondern Pflicht.
Was das konkret für Ihr Bauprojekt bedeutet, welches Material Sie brauchen und wie Sie es selbst verlegen? Das erfahren Sie hier.
Was ist glasfasergerechte Verkabelung genau?
Glasfasergerechte Verkabelung bedeutet nicht, dass Sie sofort Glasfaser in Ihre Wand legen müssen. Es bedeutet, dass die Infrastruktur dafür bereit ist. Vergleichen Sie es mit einem leeren Rohr, durch das später ein Glasfaserkabel gezogen werden kann, ohne dass Wände aufgebrochen werden müssen.
Konkret geht es um drei Dinge:
- Ein zentraler Anschlusspunkt — die Stelle, an der die Glasfaser ins Gebäude kommt, meistens beim Hausanschlusskasten
- Leerrohre zu jedem Raum — leere Rohre (mindestens 2 Stück) vom zentralen Punkt zu allen Wohn- und Arbeitsräumen
- Glasfasertaugliche Unterputzdosen — Anschlussdosen mit ausreichend Platz für einen Glasfaseranschluss oder eine UTP-Durchführung
Der Gedanke dahinter ist einfach: Wenn Sie jetzt bauen oder sanieren, wollen Sie in fünf Jahren nicht das ganze Haus aufbrechen für einen Glasfaseranschluss. Die Rohre und Dosen sind schon da. Der Provider muss später nur noch ein Kabel durchziehen.
Warum ist es jetzt Pflicht?
Die europäische Gigabit-Infrastrukturverordnung (Verordnung (EU) 2024/1309) ersetzt die alte Breitbandrichtlinie für Gebäude aus dem Jahr 2014. Deutschland hat die Vorschriften im Rahmen des Telekommunikationsgesetzes (TKG) und der entsprechenden Verordnungen umgesetzt.
Das Ziel: Bis 2030 soll jeder Haushalt in der EU Zugang zu einer Gigabit-Verbindung haben. Das gelingt nur, wenn Gebäude physisch darauf vorbereitet sind. Daher die Pflicht, bei Neubau und umfassender Sanierung eine glasfasergerechte Infrastruktur einzubauen.
Die Regeln gelten für:
- Neubau — alle Wohngebäude, für die nach Februar 2026 ein Bauantrag gestellt wurde
- Umfassende Sanierung — Sanierungen, für die eine Baugenehmigung erforderlich ist und bei denen die Gebäudeinfrastruktur (Leitungen, Elektrik) weitgehend erneuert wird
Wann gilt eine Sanierung als „umfassend”?
Das ist die Frage, die alle stellen. Nicht jeder Umbau fällt darunter. Das Gesetz zielt auf Sanierungen ab, bei denen die gebäudeinterne Infrastruktur weitgehend ersetzt oder erneuert wird. Denken Sie an:
- Komplette Erneuerung der Elektroinstallation — wenn Sie die gesamte elektrische Anlage ersetzen (Unterverteilung, Verkabelung im ganzen Haus)
- Vollständig neue Leitungsinfrastruktur — alle Wasser- und Abwasserleitungen raus, alles neu
- Strukturelle Eingriffe an mehreren Etagen — nicht ein Badezimmer renovieren, sondern das ganze Haus bis auf den Rohbau zurückbauen
Eine Küche erneuern oder eine Gaube einbauen? Das zählt nicht. Ein Altbau aus den 1930er Jahren komplett bis auf den Rohbau entkernen und neu aufbauen? Das schon.
In der Praxis können Sie es sich so merken: Wenn Sie ohnehin alle Wände offen haben und neue Leitungen ziehen, müssen Sie auch glasfasergerechte Leerrohre einplanen. Logisch, denn es kostet in diesem Moment praktisch nichts extra.
Was müssen Sie installieren: Die Anforderungen im Überblick
Die Verordnung schreibt Folgendes vor:
1. Zentraler Zugangspunkt
Ein Punkt im oder beim Hausanschlusskasten, an dem die Glasfaser ins Gebäude kommt. Hier schließt der Provider später an. In der Praxis ist das oft ein kleiner Kasten oder ein Patchpanel neben Ihrer Unterverteilung.
2. Leerrohre (mindestens 2 Stück pro Anschluss)
Vom zentralen Punkt leere Rohre zu jedem Raum, in dem Sie einen Datenanschluss möchten. Die Anforderung ist mindestens zwei Rohre:
- Rohr 1 — für das Glasfaserkabel selbst
- Rohr 2 — Reserverohr für zukünftige Nutzung oder einen zweiten Anbieter
Verwenden Sie mindestens 16 mm flexible Schutzrohre (oder 20 mm, wenn Sie großzügig planen). Ziehen Sie einen Einziehdraht durch, damit die Glasfaser später einfach eingezogen werden kann.
3. Glasfasertaugliche Unterputzdosen
Standard-Unterputzdosen sind zu flach für einen Glasfaseranschluss. Glasfaser darf nicht zu scharf gebogen werden (minimaler Biegeradius), deshalb benötigen Sie Unterputzdosen mit extra Tiefe. Konkret:
- Verwenden Sie tiefere Unterputzdosen (60 mm tief statt der üblichen 40 mm) oder spezielle Glasfaser-Unterputzdosen
- Sorgen Sie für ausreichend Platz für eine UTP-Durchführung oder ein Glasfaser-Patchkabel
- Platzieren Sie in jedem Wohn-, Arbeits- und Schlafzimmer mindestens einen Datenanschluss
4. UTP-Verkabelung (Empfehlung)
Das Gesetz verlangt die Rohre und Dosen, nicht unbedingt die Kabel. Aber wenn Sie schon dabei sind: Ziehen Sie gleich CAT6a- oder CAT7-UTP-Kabel durch die Rohre. Dann haben Sie jetzt schon ein superschnelles kabelgebundenes Netzwerk, und die Glasfaser kann später daneben oder anstelle davon verlegt werden.
Materialliste: Was brauchen Sie?
Für ein durchschnittliches Einfamilienhaus (4 Zimmer, Wohnzimmer, Arbeitszimmer) benötigen Sie Folgendes:
| Material | Spezifikation | Menge (Richtwert) | Preis pro Stück |
|---|---|---|---|
| Flexibles Schutzrohr | 16–20 mm, halogenfrei | 50–80 Meter | €0,50 – €0,80/m |
| Einziehdraht/-feder | Nylon, 20-Meter-Rollen | 2–3 Rollen | €5 – €10 |
| Tiefe Unterputzdosen | 60 mm tief, glasfasertauglich | 8–12 Stück | €1,50 – €3,00 |
| Zentrales Patchpanel | 6–12 Ports, 19 Zoll oder Aufputz | 1 Stück | €25 – €60 |
| UTP-Kabel CAT6a | Verlegekabel, 100-m-Trommel | 1–2 Trommeln | €60 – €120 |
| RJ45-Stecker/Keystones | CAT6a, werkzeuglos oder mit Crimpzange | 16–24 Stück | €2 – €5 |
| Rohrschellen / Befestigungsklemmen | Zur Befestigung der Rohre | 30–50 Stück | €0,20 – €0,40 |
| Abdeckrahmen mit Datenanschluss | Passend zu Ihrem Schalterprogramm | 8–12 Stück | €3 – €8 |
Gesamte Materialkosten: circa €250 – €500 für ein komplettes Haus. Das ist alles. Für das, was Sie dafür bekommen (ein zukunftssicheres Netzwerk in Ihrem gesamten Haus), ist das ein Klacks.
Selbst verkabeln vs. machen lassen
Glasfasergerechte Verkabelung verlegen ist durchaus selbst machbar, wenn Sie geschickt mit einer Bohrmaschine umgehen und etwas Geduld mitbringen. Es ist keine Raketenwissenschaft, aber es gibt ein paar Punkte zu beachten.
| Selbst machen | Machen lassen | |
|---|---|---|
| Materialkosten | €250 – €500 | €250 – €500 (Aufschlag möglich) |
| Arbeitskosten | €0 | €400 – €900 |
| Zeitaufwand | 8 – 16 Stunden | 4 – 8 Stunden (erfahrener Monteur) |
| Werkzeug nötig | Bohrmaschine, Abisolierer, Crimpzange, Wasserwaage | Alles dabei |
| Gesamtkosten | €250 – €500 | €700 – €1.400 |
| Geeignet für | Geschickte Heimwerker, Neubau im Rohbauzustand | Fertig ausgebaute Häuser, wenn Sie sicher gehen wollen |
Sie sparen rund €400 bis €900, wenn Sie es selbst machen. Der Unterschied liegt rein in der Arbeitsleistung, denn ein Netzwerkinstallateur berechnet €50 bis €80 pro Stunde.
Schritt für Schritt: Glasfasergerechte Verkabelung selbst verlegen
Schritt 1: Netzwerk planen
Zeichnen Sie auf dem Grundriss ein, wo Sie Datenanschlüsse möchten. Mindestens in:
- Wohnzimmer (beim Fernseher und bei der Sitzecke)
- Arbeitszimmer / Homeoffice
- Jedem Schlafzimmer
- Optional: Dachboden, Garage, Hobbyraum
Legen Sie fest, wo Ihr zentraler Punkt sein soll. Standard ist beim Hausanschlusskasten, da dort auch die Glasfaser ins Haus kommt.
Schritt 2: Rohre verlegen
Am einfachsten geht das im Rohbauzustand, wenn die Wände noch offen sind.
- Ziehen Sie flexible Schutzrohre vom zentralen Punkt zu jeder Datenanschluss-Position
- Verwenden Sie mindestens 2 Rohre pro Strecke (Pflicht)
- Machen Sie keine scharfen Biegungen — halten Sie einen großzügigen Bogen ein (mindestens 6x der Außendurchmesser des Rohrs)
- Befestigen Sie die Rohre mit Schellen oder Klemmen am Mauerwerk oder den Ständern
Bei einem bestehenden Gebäude (Sanierung) können Sie die Rohre in der Putzschicht, unter der Sockelleiste oder über den Kriechkeller und die Decke führen.
Schritt 3: Unterputzdosen setzen
- Verwenden Sie tiefe Unterputzdosen (60 mm) an jeder Stelle, an der ein Datenanschluss kommen soll
- Setzen Sie sie auf gleicher Höhe wie Ihre Steckdosen (30 cm über dem Boden) oder auf Schreibtischhöhe (110 cm) bei Arbeitsplätzen
- Lassen Sie die Schutzrohre in die Unterputzdose münden
Schritt 4: UTP-Kabel einziehen
- Ziehen Sie CAT6a-UTP-Kabel durch die Schutzrohre (der Einziehdraht hilft dabei)
- Lassen Sie an beiden Enden 30–40 cm Kabel überstehen für die Konfektionierung
- Beschriften Sie jedes Kabel: „Wohnzimmer 1″, „Schlafzimmer 2″ und so weiter. Das spart Ihnen später stundenlanges Suchen
- Ziehen Sie die Kabel nicht zu stramm — etwas Spielraum verhindert Probleme
Schritt 5: Am Patchpanel anschließen
Am zentralen Punkt schließen Sie alle Kabel an einem Patchpanel an:
- Entfernen Sie den Außenmantel des UTP-Kabels (ca. 3 cm)
- Folgen Sie der Farbcodierung (T568B ist der Standard)
- Drücken Sie die Adern mit einem LSA-Auflegewerkzeug in die Keystones oder das Patchpanel
- Testen Sie jede Verbindung mit einem Kabeltester, bevor Sie alles schließen
Schritt 6: Wandanschlüsse fertigstellen
- Schließen Sie die UTP-Kabel an RJ45-Keystones in den Unterputzdosen an
- Setzen Sie die Abdeckrahmen ein
- Testen Sie nochmals jeden Anschluss
Schritt 7: Dokumentieren
Erstellen Sie ein einfaches Schema, welches Kabel wohin führt, und bewahren Sie es beim Hausanschlusskasten auf. Wenn in drei Jahren ein Glasfaser-Installateur kommt, weiß er sofort, was wo liegt.
Häufige Fehler
- Zu dünne Rohre verwenden — 12-mm-Rohre scheinen günstiger, aber Sie bekommen später kein Glasfaserkabel mehr problemlos hindurch. Nehmen Sie mindestens 16 mm.
- Nur ein Rohr pro Strecke — die Verordnung schreibt zwei Rohre vor. Eines reicht nicht.
- Scharfe Biegungen — Glasfaser bricht bei zu scharfen Biegungen. Halten Sie immer einen großzügigen Bogen ein, auch wenn Sie jetzt noch mit UTP arbeiten.
- Keinen Einziehdraht hinterlassen — wenn Sie jetzt nur Rohre ohne Kabel verlegen, lassen Sie immer einen Einziehdraht drin. Sonst haben Sie später leere Rohre, durch die nichts mehr hindurchgeht.
- Kabel nicht beschriften — acht identische blaue Kabel am Patchpanel, und Sie wissen nicht, welches zum Schlafzimmer führt. Beschriften Sie sie sofort.
Häufig gestellte Fragen
Gilt das auch für einen Anbau oder eine Erweiterung?
Nur wenn der Anbau Teil einer umfassenden Sanierung ist. Ein Anbau allein fällt meist nicht darunter, aber es ist klug, es trotzdem gleich mitzumachen. Die Kosten sind minimal, wenn Sie ohnehin am Bauen sind.
Ich habe bereits Koaxial-/Kabelinternet. Muss ich trotzdem glasfasergerechte Verkabelung einbauen?
Bei Neubau und umfassender Sanierung: ja. Die Pflicht besteht unabhängig von Ihrem aktuellen Internetanschluss. Es geht darum, dass das Gebäude für Glasfaser bereit ist — egal, was Sie derzeit nutzen.
Darf ich auch CAT7 oder CAT8 statt CAT6a verwenden?
Ja, höhere Kategorien sind immer in Ordnung. CAT6a unterstützt 10 Gbit/s bis 100 Meter und ist für Wohngebäude mehr als ausreichend. CAT7 bietet zusätzliche Abschirmung, ist aber schwieriger zu konfektionieren. CAT8 ist für den Hausgebrauch überdimensioniert.
Was passiert, wenn ich die Pflicht nicht erfülle?
Die Durchsetzung erfolgt über die Baugenehmigung. Wenn Ihr Bauvorhaben die Anforderungen an glasfasergerechte Infrastruktur nicht erfüllt, kann die Genehmigung verweigert oder Nachbesserungen gefordert werden. Bei Bestandsbauten ohne genehmigungspflichtige Umbaumaßnahmen ändert sich nichts.
Kann ich Wi-Fi-Mesh statt Verkabelung nutzen?
WLAN ist kein Ersatz für die physische Infrastruktur, die die Verordnung vorschreibt. Die Rohre und Anschlusspunkte müssen vorhanden sein. Was Sie anschließend damit machen (kabelgebundenes Netzwerk, WLAN-Accesspoints oder gar nichts) — das bleibt Ihnen überlassen. Aber die Verkabelungsinfrastruktur ist Pflicht.
Das Wichtigste: Minimale Kosten, maximale Zukunftssicherheit
Glasfasergerechte Verkabelung klingt nach einer großen Aufgabe, ist aber viel einfacher als gedacht. Sie verlegen Rohre, setzen Dosen und ziehen eventuell Kabel ein. Die Materialkosten liegen zwischen €250 und €500 für ein ganzes Haus. Machen Sie es selbst, sparen Sie nochmals Hunderte Euro an Arbeitskosten.
Und das Wichtigste: Ihr Haus ist fit für die Zukunft. Keine Wände aufbrechen in drei Jahren. Kein Aufwand, wenn der Glasfaser-Anbieter vor der Tür steht. Die Rohre liegen, die Dosen sitzen, und der Anschluss ist im Handumdrehen gemacht.
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