Wandfarbe ist der Sammelbegriff für die wasserverdünnbaren Farben, mit denen Wände und Decken beschichtet werden. Die Arten unterscheiden sich vor allem im Bindemittel, im Glanzgrad und in der Reinigungsfähigkeit. Die europäische Norm EN 13300 liefert dafür eine einheitliche Einteilung, mit der sich Produkte verschiedener Hersteller vergleichen lassen.
Einteilung nach EN 13300
- Nassabriebbeständigkeit (Scheuerbeständigkeit) — Klasse 1 bis 5, wobei Klasse 1 der Reinigung am besten standhält und Klasse 5 am schlechtesten
- Glanzgrad — von glänzend bis stumpfmatt, gemessen mit einem Glanzmessgerät unter 60° oder 85°
- Deckvermögen (Kontrastverhältnis) — Klasse 1 bis 4, wobei Klasse 1 das höchste Deckvermögen hat; immer zusammen mit der angegebenen Ergiebigkeit in m² je Liter lesen
- Korngröße — fein bis grob, wichtig bei Strukturfarben
Diese Klassen stehen im technischen Merkblatt der Farbe. Dieses Blatt ist verlässlicher als der Werbetext auf dem Eimer.
Die wichtigsten Arten
- Dispersionsfarbe auf Acrylatbasis — der Standard für innen, von stumpfmatt bis seidenglänzend. Je höher der Glanz, desto besser reinigbar, aber desto sichtbarer werden Unebenheiten
- Scheuerbeständige Dispersionsfarbe — Farbe der Nassabriebklasse 1 oder 2, für Küche, Flur, Diele und Kinderzimmer
- Silikatfarbe (Mineralfarbe) — Bindemittel auf Wasserglasbasis; verkieselt chemisch mit mineralischen Untergründen, ist sehr diffusionsoffen und schimmelresistent. Geeignet für Kalkputz, altes Mauerwerk und Keller, aber nicht über bestehender Dispersionsfarbe
- Kalkfarbe — traditionell, stark diffusionsoffen und mit lebendiger, wolkiger Optik; wischempfindlich und nicht reinigbar
- Kreidefarbe — sehr matt, haftet auf vielen Untergründen ohne Grundierung, braucht aber meist Wachs oder Lack, um reinigungsfähig zu sein
- Fassadenfarbe — diffusionsoffene Außenfarbe auf Acrylat-, Siloxan- oder Silikatbasis; lässt die Fassade trocknen und hält Schlagregen ab
- Spezialfarben — Anti-Schimmel-Farbe für Bäder, Isolierfarbe gegen durchschlagende Flecken (Nikotin, Ruß, Wasserränder) und Grundierung auf stark saugenden oder glatten Untergründen
Anwendung
- Saugender Untergrund (neuer Putz, Gips) zuerst grundieren oder mit Tiefengrund festigen, sonst zieht die Farbe ungleich ein und es entstehen Glanzunterschiede
- Ergiebigkeit. Rechnen Sie grob mit 8 bis 12 m² je Liter und Anstrich auf glattem, vorbehandeltem Untergrund. Auf rauen oder saugenden Flächen ist es weniger
- Zwei Anstriche. Ein Anstrich deckt selten; planen Sie zwei Lagen und halten Sie die Überstreichbarkeit laut Merkblatt ein
- Farbunterschiede vermeiden. Bei großen Flächen Eimer derselben Charge mischen und nass in nass arbeiten, damit keine Ansätze sichtbar bleiben
- Bad. Eine Farbe mit hoher Nassabriebklasse und schimmelhemmender Wirkung wählen — und vor allem ausreichend lüften: Keine Farbe löst ein Feuchteproblem
Verwandte Begriffe
- Dispersionsfarbe
- Putz
- Pinsel
- Streichen
- Lüftung
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