Ein Maurerzeichen ist eine dekorative Figur im Mauerwerk, die dadurch entsteht, dass gezielt Ziegel mit abweichender Farbe eingesetzt werden — häufig nur deren Köpfe. So entstehen Rauten, Kreuze, Jahreszahlen, Herzen, Mühlen oder Initialen in der Wandfläche.
Wie entsteht so ein Zeichen?
Im alten Feldbrandofen brannte nicht jeder Stein gleich. Steine nahe am Feuer wurden dunkel: gesintert (teilweise schwarz verglast), geschmaucht (grau bis schwarz) oder glasiert (glänzend). Diese „Fehlbrände” taugten nicht für gleichmäßiges Sichtmauerwerk, waren zum Zeichnen aber ideal. Der Maurer setzte sie an festen Stellen in den Verband und erhielt so ein Muster, das mit der roten oder gelben Wandfläche kontrastiert.
Heute sind geschmauchte und glasierte Steine als reguläres Produkt erhältlich, sodass sich der Effekt bewusst planen lässt.
Bedeutung und Verbreitung
Maurerzeichen kommen in ganz Nordwesteuropa vor, seit der Ziegel im 12. Jahrhundert als Baustoff zurückkehrte. Die Formate reichen von einer einzelnen kleinen Raute bis zu fassadenfüllenden Motiven. Häufig wurde ihnen eine schützende Bedeutung zugeschrieben: Schutz vor Unheil, Blitz oder bösen Einflüssen. Daneben dienten sie als Jahreszahl, Hausmarke oder schlicht als Schmuck und Nachweis handwerklichen Könnens.
Ab dem 18. Jahrhundert ging der Gebrauch zurück — in protestantischen Gegenden schon früher — doch im 19. und 20. Jahrhundert kehrten Rauten- und Kreuzmuster als rein dekoratives Element zurück.
Selbst anwenden
- Das Motiv zuerst auf Karopapier zeichnen, wobei ein Kästchen einem Steinkopf entspricht; nur so stimmt das Muster mit dem Verband überein
- Steine aus derselben Charge und im selben Format wählen; nur die Farbe darf abweichen, nicht das Maß
- Den Mauerwerksverband nicht stören — sonst schwächst du die Wand
- Je größer der Betrachtungsabstand, desto größer und einfacher muss das Motiv sein
Verwandte Begriffe
- Mauerwerksverband
- Ziegel
- Abbundzeichen
- Zierverband
- Steinmetzzeichen
- Ornament
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