Leistenwerk ist der Sammelbegriff für profilierte, in Längsrichtung durchlaufende Leisten, die ein Bauteil begrenzen, abdecken oder bereichern. Eine Leiste hat immer ein Querprofil, das über die gesamte Länge gleich bleibt — das unterscheidet sie vom Ornament, das für sich steht.
Leistenwerk findet sich überall: als Kranzgesims über einer Fassade, als Sockelleiste am Boden, als Bekleidung rund um eine Türzarge, als Deckenleiste und als Zierleiste auf einer Kassettentür.
Warum es dort sitzt
Leistenwerk ist selten bloße Zier. Meist löst es ein praktisches Problem:
- Es deckt eine Fuge ab. Wo zwei Werkstoffe oder Flächen zusammentreffen, entsteht eine unregelmäßige Linie. Eine Sockelleiste oder eine Türbekleidung macht daraus einen sauberen, beherrschten Übergang, der zudem Schwinden und Arbeiten mitmacht.
- Es schützt. Eine Sockelleiste fängt die Stöße von Staubsaugern und Schuhen ab; eine Nasenleiste schützt die empfindliche Vorderkante einer Trittstufe.
- Es lenkt Wasser. Im Freien hat nahezu jedes Gesims eine Tropfkante oder Wassernase an der Unterseite: eine Kerbe, die verhindert, dass Regenwasser an der Unterseite zum Mauerwerk zurückläuft. Das ist ein echtes bautechnisches Detail, kein Zierdetail.
- Es schafft Maßstab. Ein waagerechtes Gesims gliedert eine hohe Fassade oder Wand und gibt ihr menschliches Maß.
Die Grundprofile
Fast jedes Leistenprofil setzt sich aus einer Handvoll Grundformen zusammen:
- Viertelstab (Ovolo) — ein konvexer Viertelkreis.
- Hohlkehle (Cavetto) — ein konkaver Viertelkreis.
- Karnies (Cyma) — ein S-förmiges Profil, das von konkav zu konvex übergeht; der Klassiker unter den Kranzgesimsprofilen.
- Rundstab (Astragal) — ein kleiner, halbrunder Stab, oft als Trennung zwischen zwei größeren Flächen.
- Wulst und Kehle in umgekehrter Folge — der Übergang von konvex oben zu konkav unten.
- Platte (Filet) — ein flaches Band, das die Profile voneinander trennt.
Klassische Gesimse sind faktisch Kompositionen dieser Bestandteile, in fester Reihenfolge und mit festen Verhältnissen zueinander.
Werkstoffe
- Holz. Die traditionelle Wahl innen und außen. Im Freien verlangt es soliden Anstrichschutz und eine funktionierende Tropfkante.
- Stuck / Gips. Für Deckenleisten und Rosetten im Innenraum. Mit einer Schablone über nassen Kalk oder Gips gezogen oder vorgefertigt gegossen.
- Naturstein. An repräsentativen Fassaden, in Gurtgesimsen und Wasserschlägen.
- MDF. Heute die verbreitete Wahl für Innenleisten: maßhaltig, glatt und bezahlbar — aber nicht feuchtebeständig, also nicht im Bad und nicht im Freien.
- Polyurethan oder Polystyrol. Leichte Kunststoffleisten, die mit Montagekleber gesetzt werden. Praktisch, leicht und fäulnisfrei, aber stoßempfindlich.
Praktische Tipps
- Gehrung auf den tatsächlichen Winkel schneiden, nicht auf 45 Grad. Wände stehen selten genau rechtwinklig. Den Winkel mit einem Winkelmesser messen und die Hälfte schneiden. In einer Innenecke ergibt bei Profilleisten ein Konterschnitt (Coping) ein sauberes und dauerhafteres Ergebnis als die Gehrung, weil die Fuge beim Arbeiten des Holzes nicht aufreißt.
- Holz erst akklimatisieren lassen. Mindestens einige Tage in dem Raum, in den es kommt, vor dem Zuschnitt. Sonst öffnen sich die Gehrungen.
- Die Hirnholzkanten grundieren vor der Montage; dort dringt Feuchte am schnellsten ein.
- Von lang nach kurz arbeiten. Zuerst die längsten Stücke schneiden; ein Fehler in einem langen Stück ist später noch als kurzes Stück brauchbar, umgekehrt nicht.
- Kleben und nageln. Montagekleber auf die Rückseite, gesichert mit einem Nagler oder feinen Stiften; nur Kleber genügt an einer welligen Wand nicht.
Verwandte Begriffe
- Kranzgesims
- Sockelleiste
- Architrav
- Karnies
- Gurtgesims
- Wasserschlag
- Stuck
- Laubwerk
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