Ein Wimperg ist ein steiler, dreieckiger Schmuckgiebel, der in der gotischen Architektur über Fenstern, Portalen oder Blendarkaden angebracht wird und mit Maßwerk, Krabben und einer Kreuzblume bekrönt ist. Er gehört zu den charakteristischsten Zierelementen der gotischen Baukunst.
Anwendung
Der Wimperg tritt erstmals in der französischen Hochgotik des 13. Jahrhunderts in Erscheinung und verbreitet sich rasch über ganz Europa. Als rein dekoratives Element hat er keine tragende Funktion, sondern dient der vertikalen Gliederung und optischen Steigerung von Fassaden. Durch seine steile, nach oben gerichtete Form betont er die für die Gotik typische Vertikaltendenz.
An den großen gotischen Kathedralen wie Notre-Dame de Paris, dem Kölner Dom oder dem Straßburger Münster finden sich Wimperge in reicher Ausführung über den Portalöffnungen und Fenstern. Die schrägen Schenkel des Wimpergs werden als Giebelbasis bezeichnet und sind häufig mit Krabben besetzt, kleinen blattförmigen Ornamenten, die sich in regelmäßigen Abständen entlang der Kanten emporzeihen. An der Spitze sitzt in der Regel eine Kreuzblume als bekrönender Abschluss.
Das Giebelfeld zwischen den Schenkeln ist meist mit durchbrochenem oder blindem Maßwerk gefüllt. Die Formen reichen von einfachen Dreipässen und Vierpässen bis zu komplizierten Fischblasenmotiven der Spätgotik. In manchen Fällen enthält das Giebelfeld auch figürliche Darstellungen oder Reliefs.
Wimperge können einzeln über einem Fenster stehen oder in Reihen die gesamte Fassade gliedern. An Strebepfeilern, Turmhelmen und Baldachinen finden sich kleinere Wimperge als untergeordnete Ziermotive. In der Spätgotik wurde der Wimperg zunehmend durchbrochen und filigran gestaltet, was den Eindruck von Leichtigkeit und aufwärtsstrebender Dynamik verstärkt.
Verwandte Begriffe
- Maßwerk
- Krabben
- Kreuzblume
- Fiale
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