Eine überstehende Stufe ist eine Treppenstufe, deren Enden seitlich über die Wange (Treppenbaum) oder das Setzbrett hinausragen, statt bündig anzuschließen. Es ist ein traditionelles Detail mit ästhetischer und funktionaler Bedeutung.
Gestaltung
Die Länge des Überstands variiert:
- Einseitig — bei offenen Treppen gegen eine Wand ragt die Stufe an der offenen Seite hinaus
- Beidseitig — bei freistehenden Treppen gleicher Überstand links und rechts
- Kurzer Überstand — 1 bis 3 cm, ein dezentes Detail
- Langer Überstand — bis 10 cm oder mehr, oft mit abgeschrägter oder gerundeter Vorderkante
Auch der vordere Stufenüberstand (Nase) über dem Setzbrett wird gelegentlich als “überstehend” bezeichnet.
Funktion
Eine überstehende Stufe bietet mehrere Vorteile:
- Optischer Charakter — die Treppe wirkt rhythmisch und gegliedert
- Schutz der Wange — der Treppenbaum wird weniger abgenutzt
- Halt — bei manchen Ausführungen mehr Trittfläche für den Fuß
- Vereinfachte Anschlüsse — bei rustikalen Holztreppen einfacher zu bauen
Anwendung
Überstehende Stufen finden sich bei:
- Bauerntreppen — einfache Zimmermannstreppe mit Eichenstufen, die durch die Wandbohle ragen
- Industrietreppen — Stahl- oder Holztreppen mit durchgehenden Gitterrosten
- Designtreppen — moderne Treppen, bei denen der Überstand bewusst betont wird
- Außentreppen — schnellerer Wasserablauf an den Seiten
Punkte zu beachten
- Sicherheit — ein langer Überstand kann an engen Stellen eine Stolperkante sein
- Symmetrie — bei freistehenden Treppen müssen die Überstände gleich sein
- Befestigung — die Stufe muss gut in der Wange verankert sein
- Maßvorgaben — bei Fluchttreppen Mindestauftritt nach Bauordnung beachten
Verwandte Begriffe
- Auftritt
- Steigung
- Wange
- Setzbrett
- Stufenkante
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