Neorenaissance ist der Baustil, der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Formensprache der Renaissance wieder aufnimmt. Sie gehört zum Historismus und prägte den öffentlichen Bau — Bahnhöfe, Schulen, Postämter, Rathäuser, Museen — sowie die Stadterweiterungen jener Zeit. In den Niederlanden und im norddeutschen Raum erhielt sie eine eigene, nationale Färbung: Architekten griffen bewusst auf die Backsteinarchitektur des 16. und 17. Jahrhunderts zurück, mit Staffelgiebeln, hellen Werksteinbändern und Sandsteinornamenten.
Merkmale
- Backstein mit Werksteinbändern — waagerechte helle Bänder aus Naturstein oder Putz im roten Mauerwerk
- Staffel-, Hals- und Ziergiebel mit Deckplatten und Volutenwangen
- Rundbögen und Korbbögen über den Fenstern, mit Bogensteinen und Schlusssteinen
- Kreuzstockfenster mit Mittelpfosten und Kämpfer
- Reiche Ornamentik: Kartuschen, Gedenksteine, Pilaster, Festons, Zierverbände
- Symmetrische, klar gegliederte Fassaden mit betontem Mittelrisalit
Unterschied zur Renaissance selbst
Wie bei allen Neostilen liegt der Unterschied in der Ausführung. Neorenaissance ist aus maschinell gefertigtem, maßhaltigem Backstein mit schmalen Lagerfugen errichtet. Konstruktiv steckt oft schon Gusseisen oder Stahl darin — Träger über Ladenfronten, Stützen in Bahnhofshallen. Auch der Grundriss ist ein Grundriss des 19. Jahrhunderts: Flure, Treppenhäuser und Geschosshöhen nach dem Gebrauch jener Zeit.
Worauf bei der Instandsetzung zu achten ist
- Naturstein ist die Schwachstelle. Bänder, Deckplatten und Ornamente bestehen meist aus weichem Sandstein. Niemals mit Hochdruck reinigen; mit angepasstem Restauriermörtel ergänzen oder den Stein austauschen
- Kalkhaltigen Mörtel verwenden. Das ursprüngliche Mauerwerk ist darauf ausgelegt; harter Zementmörtel richtet mehr Schaden an als Nutzen
- Dübel und Anker. Rostende Eisenverankerungen in Deckplatten und Wangen sprengen den Stein; durch nichtrostenden Stahl ersetzen
- Gedenksteine und Kartuschen gehören in die Hand eines Steinmetzen, nicht in Spachtelmasse
- Genehmigung. Viele Bauten der Neorenaissance stehen unter Denkmalschutz oder in einer Erhaltungssatzung; das vor dem ersten Gerüst klären
Verwandte Begriffe
- Neugotik
- Klassizismus
- Holländischer Klassizismus
- Halsgiebel
- Kreuzstockfenster
- Volutenwange
- Natursteinaustausch
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