Nass-in-nass zu arbeiten bedeutet, eine neue Schicht aufzubringen, bevor die vorherige abgebunden oder aufgetrocknet ist. Die beiden Schichten verbinden sich dann zu einem Ganzen, statt dass die obere nur an der Oberfläche der unteren haftet. Es ist eine der einfachsten Möglichkeiten, Ablösungen zu vermeiden — sie kostet nichts, sie erfordert nur die richtige Reihenfolge und Planung.
Wo wird es angewendet?
- Estrich — ein zementgebundener Estrich auf einer noch nassen Haftbrücke oder Zementschlämme; der Estrich wird so zum Verbundestrich statt zum schwimmenden Estrich
- Fliesenarbeiten — Fliesen im noch nicht abgebundenen Mörtelbett verlegen
- Putzarbeiten — eine zweite Putzlage auf einer noch feuchten ersten, sodass keine Trennung zwischen den Lagen entsteht
- Beton- und Straßenbau — zwei aufeinanderfolgende Schüttlagen nass-in-nass einbauen, damit keine Arbeitsfuge entsteht
- Anstricharbeiten — eine Farbschicht innerhalb der offenen Zeit ausrollen, damit Ansätze und Bahnen nicht sichtbar bleiben
Warum es funktioniert
Bei einer bereits abgebundenen zementgebundenen Schicht ist die Haftung mechanisch: Der neue Mörtel verkrallt sich in der Rauheit des Untergrunds. Bringt man die zweite Lage auf, solange die erste noch plastisch ist, laufen die Zementreaktionen über die Grenze hinweg weiter und es entsteht ein deutlich stärkerer Verbund. Bei Farbe geht es um das Verlaufen der noch nassen Ränder, wodurch die Schicht ohne sichtbare Übergänge auftrocknet.
Zu beachten
- Logistik planen. Nass-in-nass gelingt nur, wenn Material rechtzeitig vor Ort ist und genügend Leute arbeiten. Stockt die Zufuhr, entsteht doch eine Fuge
- Wetter und Temperatur. Sonne, Wind und Wärme verkürzen die offene Zeit erheblich. Bei Hitze in kleineren Feldern arbeiten und abschirmen
- Nicht immer erwünscht. Bei schwimmenden Estrichen, Lastverteilungsschichten auf Dämmung und bewusst eingebauten Trennlagen will man gerade keinen Verbund
- Falsche Anwendung. Nass-in-nass ist keine Entschuldigung dafür, eine zweite Lage auf eine noch nicht standfeste erste zu bringen; die untere Lage muss die Last der oberen tragen können
- Bei Farbe gilt: die nasse Kante vor sich herschieben und eine Wand oder Decke von Ecke zu Ecke in einem Zug durcharbeiten
Verwandte Begriffe
- Estrich
- Haftbrücke
- Putzarbeiten
- Arbeitsfuge
- Abbinden
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