Lignisol ist ein leichter, weicher Baustein aus Holzfasern mit Lignin als Bindemittel. Das Material wurde Mitte des 20. Jahrhunderts als dämmender, nichttragender Stein verwendet, unter anderem im zweischaligen Mauerwerk und in Kühl- und frostfrei zu haltenden Lagerräumen.
Lignin ist das natürliche Bindemittel, das im Holz die Fasern zusammenhält. Werden Holzfasern unter Druck und Wärme verarbeitet, kann dieses Lignin erneut als Bindemittel dienen — ohne Zusatz von Zement oder Kunstharz.
Eigenschaften
- Leicht. Durch den hohen Holzanteil und die offene Struktur wiegt der Stein einen Bruchteil eines gebrannten Ziegels oder Betonsteins.
- Dämmend. Die eingeschlossene Luft in der Faserstruktur bremst sowohl Kälte als auch Wärme. In einer Zeit, in der Dämmstoff noch keine Selbstverständlichkeit war, war das das Hauptargument für die Verwendung.
- Weich und gut zu bearbeiten. Mit Handwerkzeug zu sägen, was das Einpassen um Leitungen und Unregelmäßigkeiten erleichtert.
- Feuchteempfindlich. Das ist die wesentliche Einschränkung. Das Material nimmt Wasser bereitwillig auf. In feuchter Umgebung verliert es seinen Dämmwert, und anhaltende Feuchte führt zu Zersetzung und Schimmel.
Verwendung
Der Stein war nicht zum Tragen bestimmt. Er wurde eingesetzt als:
- Schalenfüllung oder Innenschale im zweischaligen Mauerwerk, wo die Außenschale das Schlagregenwasser abhält;
- dämmende Trennwand in Gebäuden, in denen ein Temperaturunterschied wichtig war, etwa in Lagerräumen, die frostfrei bleiben sollten;
- thermische Trennung an Stellen, an denen eine Wärmebrücke vermieden werden sollte.
Im Bestand
Lignisol ist kein Material, das heute noch zu kaufen wäre. Es ist ein historischer Produktname aus einer Generation leichter, organischer Baustoffe, die inzwischen von Mineralwolle, EPS, PIR und modernen Holzfaserdämmplatten abgelöst wurde. Diese modernen Platten arbeiten nach demselben Prinzip, sind aber besser gegen Feuchte geschützt und haben einen dokumentierten und zertifizierten Dämmwert.
Wer bei einem Umbau eines Hauses aus den 1940er- bis 1960er-Jahren auf das Material stößt, sollte beachten:
- Nicht mit dem Dämmwert rechnen. Nach Jahrzehnten in einer Schale ist die ursprüngliche Leistung meist dahin, erst recht bei früherer Feuchtebelastung.
- Auf Feuchteschäden prüfen, bevor die Schale geschlossen oder nachträglich gedämmt wird. Durchnässtes, zersetztes Material muss heraus, sonst wird Feuchte eingedämmt.
- Nicht als Tragglied ansetzen in einer statischen Berechnung.
- Bei Gebäuden dieser Zeit ist Asbest in anderen Bauteilen ein reales Thema. Lignisol selbst enthält kein Asbest, aber bei Zweifeln an angrenzenden Platten oder Kitten vor dem Rückbau eine Untersuchung veranlassen.
Verwandte Begriffe
- Holzwolle-Leichtbauplatte
- Holzfaserplatte
- Zweischaliges Mauerwerk
- Kerndämmung
- Lignin
- Wärmebrücke
- Dämmwert
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