Was ist Lehm?

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Lehm ist ein natürliches Gemisch aus Ton, Schluff und Sand, in dem der Tonanteil als Bindemittel wirkt und Sand und Schluff das Korngerüst bilden. Er ist damit kein chemisches Erzeugnis, sondern eine Bodenart — und zugleich der älteste Baustoff der Welt, den man beinahe überall vor Ort aus dem Boden holt.

Das Verhältnis dieser drei Anteile bestimmt das Verhalten: viel Ton ergibt einen fetten, stark bindenden, aber stark schwindenden Lehm, viel Sand einen mageren Lehm, der kaum bindet. Baulehm wird deshalb fast immer abgemagert — mit Sand gegen das Schwinden oder mit Ton für mehr Bindung.

Lehm, Ton und Löss

  • Ton besteht aus äußerst feinen plättchenförmigen Mineralteilchen und ist der bindende Bestandteil.
  • Schluff liegt in der Korngröße zwischen Ton und Sand.
  • Lehm ist das Gemisch dieser Fraktionen, mit oder ohne gröberes Material.
  • Löss ist vom Wind abgelagerter feiner Schluff und bildet die fruchtbaren Lehmböden vieler Mittelgebirgsränder.
  • Geschiebelehm ist vom Inlandeis abgelagerter Lehm mit Steinen darin; er ist dicht und schlecht wasserdurchlässig, was für Drainage und Versickerung Folgen hat.

Lehm als Baustoff

Lehm erhärtet nicht chemisch wie Zement oder Kalk, sondern trocknet. Was getrocknet ist, wird durch Wasser wieder weich. Darin liegen Stärke und Grenze des Materials zugleich:

  • Vollständig wiederverwendbar. Alter Lehm lässt sich anfeuchten, neu aufbereiten und erneut verarbeiten — nahezu ohne Verlust und ohne Abfall.
  • Sehr geringe Umweltbelastung. Es wird nichts gebrannt; die Energie steckt praktisch nur im Transport.
  • Feuchteregulierend. Lehm nimmt Wasserdampf auf, wenn die Luft feucht ist, und gibt ihn wieder ab, wenn sie trockener wird. In einem lehmverputzten Raum bleibt die relative Luftfeuchte dadurch auffallend stabil — angenehm für das Raumklima und für hölzerne Bauteile.
  • Wärmespeichernd. Massives Lehmwerk ist schwer und speichert Wärme, was sommerliche Temperaturspitzen dämpft. Dämmen tut Lehm jedoch nicht: dafür braucht es eine eigene Dämmschicht oder einen Leichtlehm mit Stroh- oder Holzfaseranteil.
  • Nicht wasser- und frostbeständig. Ungeschützter Lehm wird abgewaschen, und Frost in nassem Lehm richtet Schäden an.

Die Faustregel des Lehmbaus

Lehmbau verlangt einen guten Hut und gute Stiefel: einen großzügigen Dachüberstand, der die Fassade trocken hält, und einen wasserbeständigen Sockel aus Stein oder Beton mit einwandfreier Abdichtung, damit der Lehm nicht in aufsteigender Feuchte oder im Spritzwasser steht. Wo diese beiden Bedingungen erfüllt sind, halten Lehmkonstruktionen Jahrhunderte — die unzähligen Fachwerkhäuser mit Lehmgefachen belegen das.

Anwendungen

  • Gefachfüllung mit Staken, Flechtwerk und Strohlehm zwischen den Holzständern.
  • Lehmsteine, Stampflehm (Pisé) und Lehmblöcke für Innenwände.
  • Lehmputz als Oberfläche von Wänden und Decken.
  • Lehmbauplatten auf Lattung, als trockene und schnelle Variante.
  • Rohstoff für Ziegel und Dachziegel, die erst durch das Brennen frost- und wasserbeständig werden.

Verwandte Begriffe

  • Ton
  • Geschiebelehm
  • Lehmstein
  • Lehmputz
  • Tonstein
  • Blähton
  • Nachhaltiges Bauen

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