Kalfaterung ist das Abdichten von Fugen, Ritzen und Spalten durch das Eintreiben von faserigem Dichtungsmaterial wie Werg, Hanf oder Moos. Während „Kalfatern” das Material selbst bezeichnet, beschreibt „Kalfaterung” den gesamten Arbeitsprozess des Abdichtens.
Arbeitsablauf
Die Kalfaterung erfolgt in mehreren Schritten:
- Vorbereitung — die Fuge wird von losen Teilen, Schmutz und altem Dichtungsmaterial gereinigt
- Einbringen — das Fasermaterial wird in gleichmäßigen Strängen vorbereitet und locker in die Fuge gelegt
- Eintreiben — mit dem Kalfateisen und einem Klüpfel wird das Material fest und gleichmäßig in die Fuge gedrückt
- Versiegeln — die Fuge wird abschließend mit Pech, Fugenkitt oder Leinöl versiegelt, um das Material vor Witterung zu schützen
Der richtige Druck beim Eintreiben ist entscheidend: Zu lockeres Kalfatern lässt die Fuge undicht, zu festes Eintreiben kann das Holz spalten oder die Konstruktion verformen.
Anwendung
Kalfaterung wird traditionell und auch heute noch eingesetzt bei:
- Blockhäusern und Holzhäusern — die Stammfugen werden nach dem Setzen des Holzes nachkalfatert
- Fachwerksanierung — historisch korrekte Abdichtung von Gefachfugen
- Dachstuhlarbeiten — Abdichtung von Anschlüssen im Holztragwerk
- Fenster- und Türeinbau — traditionelle Methode vor der Einführung von Montageschaum
In der modernen Baupraxis ist die Kalfaterung durch synthetische Dichtungsprodukte wie PU-Schaum, Kompribänder und Acrylfugenmassen ergänzt worden. Bei der Restaurierung denkmalgeschützter Gebäude ist die traditionelle Kalfaterung jedoch oft vorgeschrieben, da sie reversibel ist und zum historischen Bestand passt.
Vorteile der traditionellen Kalfaterung
- Natürliche, ökologische Materialien
- Reversibel und nacharbeitbar
- Dampfdiffusionsoffen — das Holz kann „atmen”
- Denkmalgerecht und baubiologisch unbedenklich
Verwandte Begriffe
- Kalfatern
- Fugendichtung
- Werg
- Dichtungshanf
- Kompriband
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