Feuerwiderstand ist die Fähigkeit eines Bauteils, im Brandfall seine tragende, raumabschließende oder wärmedämmende Funktion über einen definierten Zeitraum aufrechtzuerhalten. Er ist eine der wichtigsten Kenngrößen im baulichen Brandschutz und bestimmt maßgeblich die Sicherheit von Gebäuden.
Klassifizierung des Feuerwiderstands
Die Einteilung erfolgt nach zwei parallel geltenden Normsystemen:
- DIN 4102 (nationale Norm): Bauteile werden in Feuerwiderstandsklassen eingeteilt: F 30 (feuerhemmend), F 60 (hochfeuerhemmend), F 90 (feuerbeständig), F 120 und F 180. Die Zahl gibt die Widerstandsdauer in Minuten an.
- DIN EN 13501-2 (europäische Norm): Verwendet die Kürzel R (Tragfähigkeit), E (Raumabschluss) und I (Wärmedämmung). Ein Bauteil der Klasse REI 90 behält alle drei Funktionen mindestens 90 Minuten bei.
- Baustoffklasse: Zusätzlich zum Feuerwiderstand wird die Brennbarkeit des Baustoffs selbst klassifiziert (A = nichtbrennbar, B = brennbar), was den Gesamtbrandschutz eines Bauteils beeinflusst.
Anwendung
Die erforderliche Feuerwiderstandsklasse hängt von der Gebäudeklasse und der Funktion des Bauteils ab. Tragende Wände in einem mehrgeschossigen Wohngebäude der Gebäudeklasse 4 müssen beispielsweise mindestens hochfeuerhemmend (F 60) ausgeführt werden, während Gebäudeklasse 5 feuerbeständige Bauteile (F 90) verlangt. Bei Sonderbauten können noch höhere Anforderungen gelten. Architekten und Tragwerksplaner müssen den Feuerwiderstand jedes relevanten Bauteils nachweisen, entweder durch Prüfzeugnisse, tabellarische Verfahren oder rechnerische Nachweise nach den Eurocodes.
Verwandte Begriffe
- Feuerwiderstandsdauer
- Brandprüfung
- Baustoffklasse
- Brandschutznachweis
- Feuerbeständigkeit
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