Eisenoxidrot (auch als „Totenkopf”, „Englischrot” oder „Colcothar” bekannt) ist ein tiefroter bis braunroter Farbstoff aus Eisen(III)-oxid (Fe₂O₃), der vom Mittelalter bis weit ins 20. Jahrhundert hinein als Pigment in Anstrichen, Beizen und als Färbemittel für Stein, Holz und Metall verwendet wurde. Es handelt sich um eines der ältesten und am weitesten verbreiteten Bau-Pigmente überhaupt.
Herkunft und Zusammensetzung
Eisenoxidrot entsteht als Neben- oder Restprodukt verschiedener Prozesse:
- Erhitzen von Eisensulfat — bei der Schwefelsäureherstellung bleibt ein rotes Eisenoxid zurück
- Rösten von Eisenerzen — vor allem Magnetit und Siderit liefern einen tiefroten Rückstand
- Natürliches Vorkommen — in rotbraunen Tonschichten (Ocker) oder als „rote Erde”
Das Pigment besteht hauptsächlich aus Hämatit, manchmal mit geringen Beimengungen von Mangan- oder Aluminiumoxid. Je feiner das Korn, desto tiefer die Farbe.
Anwendung
Eisenoxidrot wurde in zahllosen Bauanwendungen verwendet:
- Holzbeize für Scheunen und Bauernhöfe — vor allem in Nord- und Osteuropa traditionelle Farbe (Falunrot in Schweden ist eng verwandt)
- Außenanstrich für Fensterrahmen, Türen und Läden — als Grundierung und als Schlussanstrich
- Färben von Putz — Sgraffito, Fresken und Fassadenputze
- Fliesen und Backstein — als Pigment im Ton
- Rostschutz auf Stahl — historische Alternative zur Bleimennige
- Gusseisenanstrich — für Straßenmöbel und Eisengitter
Eigenschaften
Eisenoxidrot wird geschätzt, weil es:
- Günstig und reichlich verfügbar ist — Nebenprodukt mit hoher Ausbeute
- Lichtecht ist — verblasst kaum im Sonnenlicht
- Chemisch stabil ist — nicht von Säuren, Basen oder Salz angegriffen
- Hohe Deckkraft hat — eine dünne Schicht reicht aus
- Ungiftig ist, im Gegensatz zu bleihaltigen Pigmenten
Geschichte und Symbolik
Der Name „Totenkopf” stammt aus dem Niederländischen und Deutschen und verweist auf die tiefrote (Blut-)Farbe sowie die rituelle Verbindung zu Tod und Gedenken. Im 17. und 18. Jahrhundert war Eisenoxidrot die Standardfarbe für Aushängeschilder, Schiffsrümpfe, Fahnenmasten und Mühlen. Erst im 20. Jahrhundert verlor es Boden an synthetische Pigmente wie Cadmiumrot und reine Eisenoxide aus chemischen Prozessen.
Verwandte Begriffe
- Mennige
- Pigment
- Englischrot
- Leinöl
- Beize
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