Eine Misttür ist eine kleine Tür in der Seiten- oder Rückwand eines Bauernhauses, die angebracht wurde, um den Mist zügig nach draußen zu bringen — sie liegt unmittelbar hinter dem Standplatz der Kühe. Im traditionellen Grippenstall standen die Tiere mit der Rückseite zur Grippe (Mistrinne); genau dort saß die Misttür in der Wand.
Warum an dieser Stelle?
Im Grippenstall fiel der Mist in die Rinne hinter den Kühen. Diese Rinne wurde von Hand oder mit der Schubkarre geleert. Eine Tür in kurzer Entfernung zur Grippe ersparte das tägliche Karren durch den ganzen Stall:
- Kurzer Weg zur Mistplatte oder Jauchegrube im Freien
- Passendes Maß — oft nicht höher als brusthoch, aber breit genug für Schubkarre oder Mistkarren
- Mehrere Türen bei langen Ställen, über die Wand verteilt
- Manchmal nur eine Luke statt einer Tür
Erkennen an alten Hofgebäuden
Die Misttür ist ein guter Hinweis auf die ursprüngliche Einteilung eines Hofes. Ihre Lage verrät, wo der Stall war und wie die Tiere aufgestallt standen. Auch nach einem Umbau ist die Stelle meist noch ablesbar: eine zugemauerte Öffnung mit abweichendem Mauerwerk, ein Sturz oder Rollschicht ohne erkennbaren Zweck, oder eine niedrige Schwelle im Mauerwerk.
Bei der Umnutzung eines Hofes zum Wohnhaus werden Misttüren häufig zu Fenstern oder Terrassentüren umgebaut. Bei einem Baudenkmal ist das genehmigungspflichtig: Sprich das immer vorab mit der Denkmalbehörde ab, denn die Öffnung gehört zur bauhistorischen Lesbarkeit des Gebäudes.
Verwandte Begriffe
- Grippe
- Bauernhaus
- Stall
- Tennentor
- Hallenhaus
- Umnutzung
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