Eine Lisene ist ein flacher, senkrechter Mauerstreifen, der leicht aus der Fassadenfläche hervortritt und die Fassade in Felder gliedert. Kennzeichnend ist, was eine Lisene nicht hat: keine Basis und kein Kapitell. Sie läuft von unten bis oben als schmuckloses Band durch.
Genau darin unterscheidet sich die Lisene vom Pilaster. Ein Pilaster ist eine flache, in die Wand eingebundene Säule, mit Sockel, Schaft und Kapitell, und folgt den Verhältnissen einer Bauordnung. Die Lisene ist nur Streifen.
Wo man Lisenen sieht
Die Lisene ist ein Element vor allem der Romanik. An romanischen Kirchen und Klöstern stehen Lisenen in regelmäßigen Abständen entlang der Fassade und rund um die Apsis, wo sie oben durch einen Rundbogenfries miteinander verbunden sind — eine Reihe kleiner Rundbögen unter dem Dachgesims. Diese Verbindung von Lisene und Rundbogenfries ist eines der deutlichsten Erkennungsmerkmale romanischer Architektur.
Auch danach blieb das Element in Gebrauch:
- In der Backsteingotik, wo Lisenen und Blendfelder den flachen Backsteinfassaden von Kirchen und Rathäusern Gliederung geben.
- In den Neustilen des 19. Jahrhunderts, in denen romanische und gotische Motive bewusst wieder aufgegriffen wurden.
- In der Backsteinarchitektur des 20. Jahrhunderts und in modernen Fassaden, wo eine senkrecht vorspringende Mauerwerksfläche denselben Effekt ohne historischen Verweis erzielt.
Funktion
Die Lisene gilt meist als dekorativ, leistet aber mehr als bloße Zier:
- Sie gibt Maßstab und Rhythmus. Eine lange, fensterlose Wand wirkt ohne Gliederung flach und endlos. Lisenen brechen diese Wand in lesbare Felder.
- Sie betont die Konstruktion. Vielfach fällt die Lisene mit der Stelle zusammen, an der innen ein Wandpfeiler, ein Gurtbogen oder eine Jochtrennung sitzt. Die Gliederung außen macht dann sichtbar, wie das Gebäude innen unterteilt ist.
- Sie versteift leicht. Ein vorspringender Streifen gibt einer dünnen Mauer etwas mehr Widerstand gegen Ausknicken. Dieser Effekt ist bescheiden und selten der Anlass, aber er ist vorhanden.
- Sie hilft beim Mauern. Das Feld zwischen zwei Lisenen — das Blendfeld — kann etwas dünner gemauert werden, was Mauerwerk und Material spart.
Unterscheidung in einem Satz
Sind Basis und Kapitell zu sehen: Pilaster. Ist ein glatter Streifen zu sehen, der ohne Unterbrechung vom Sockel bis zum Dachgesims läuft und häufig in einer Reihe kleiner Bögen endet: Lisene.
Verwandte Begriffe
- Pilaster
- Rundbogenfries
- Blendfeld
- Wandpfeiler
- Romanik
- Joch
- Fassadengliederung
- Kapitell
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