Was ist ein Netzgewölbe?

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Ein Netzgewölbe ist ein zusammengesetztes Rippengewölbe, bei dem sich die Rippen so durchdringen, dass sowohl dreieckige als auch vieleckige Gewölbefelder entstehen. Das Muster erinnert an die Maschen eines Fischnetzes — daher der Name. Die Punkte, an denen sich Rippen kreuzen, heißen Knoten; der zentrale Knoten ist der Schlussstein, und in einem Gewölbe können mehrere Schlusssteine vorkommen.

Herkunft

Das Netzgewölbe gehört in die Spätgotik. In dieser Zeit verschiebt sich die Rolle der Rippe: Sie ist nicht mehr in erster Linie tragendes Glied, das die Kräfte zu den Pfeilern führt, sondern vor allem ein gestalterisches Mittel. Das Zeigen von Können steht im Vordergrund. Dieselbe Entwicklung zeigt sich beim verwandten Fächergewölbe und beim Zellengewölbe.

Merkmale

  • Dichtes Rippenmuster, das die Jochtrennung auflöst, sodass das Gewölbe als eine durchlaufende Fläche über die ganze Raumlänge wirkt
  • Zusätzliche Rippen — neben Gurtbögen, Schildbögen und Diagonalrippen gibt es Neben- und Liernenrippen ohne eigenen Auflagerpunkt
  • Mehrere Schlusssteine, oft bildhauerisch bearbeitet und farbig gefasst
  • Kappen aus Mauerwerk zwischen den Rippen, meist dünn in Ziegel oder Tuffstein ausgeführt

Spätgotische Kirchen in Mitteleuropa und in den Niederlanden zeigen Netzgewölbe in großer Zahl; im 19. Jahrhundert kehrten sie in der Neugotik wieder, häufig als Nachbildung in Stuck ohne tragende Funktion.

Worauf bei der Instandhaltung zu achten ist

  • Risse entlang der Rippen deuten auf eine Verformung der Konstruktion hin, etwa durch weichende Mauern oder eine sich setzende Gründung. Das ist Sache eines Tragwerksplaners, nicht des Stuckateurs
  • Ein Gewölbe niemals von oben belasten. Lagerung oder ein Laufsteg auf dem Gewölberücken gehören auf eine eigene Konstruktion
  • Leckwasser ist der größte Feind. Feuchte aus einer undichten Dachdeckung wäscht den Kalkmörtel aus den Fugen und zerstört die Fassung
  • Bei der Instandsetzung gehört ein kalkgebundener Mörtel dazu; harter Zement reißt an den Anschlüssen und hält Feuchte fest
  • Vor dem Verputzen oder Streichen eine Befunduntersuchung durchführen lassen; unter späteren Schichten steckt oft noch die mittelalterliche Malerei

Verwandte Begriffe

  • Gewölberippe
  • Lierne
  • Schlussstein
  • Kreuzrippengewölbe
  • Zellengewölbe
  • Gewölbefeld
  • Gotik

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