Ein Mutulus ist eine flache, rechteckige Platte, die in der dorischen Ordnung an der Unterseite des Kranzgesimses hängt — über den Triglyphen und Metopen des Frieses. Die Unterseite ist in der Regel mit Guttae besetzt: kleinen kegel- oder tropfenförmigen Zapfen, meist in drei Reihen angeordnet.
Der Mutulus ist eng mit der Regula verwandt: jener Leiste unterhalb der Triglyphe am Fuß des Architravs, die ebenfalls mit Guttae versehen ist.
Herkunft der Form
Die klassische Baukunst ist versteinerter Holzbau. Die dorische Ordnung wiederholt in Stein die Formen einer älteren hölzernen Dachkonstruktion:
- Die Triglyphe erinnert an den Kopf eines Balkens mit Einkerbungen
- Der Mutulus steht für das untere Ende eines schrägen Sparrens, der über die Balkenlage hinausragte
- Die Guttae bilden die Nägel oder Dübel ab, mit denen diese Teile befestigt waren
Das erklärt auch die leichte Neigung des Mutulus: Er folgt der Neigung des Sparrens.
Anwendung
Zu finden ist der Mutulus an griechischen und römischen Tempeln und in jeder späteren Baukunst, die sich der klassischen Ordnungen bedient: Renaissance, Klassizismus, Empire und die Neostile des 19. Jahrhunderts.
- Rhythmus. In einem korrekt ausgeführten dorischen Gesims steht je ein Mutulus über jeder Triglyphe und jeder Metope; der Rhythmus des Gesimses ergibt sich also aus dem des Frieses
- Material. In der neuzeitlichen Anwendung besteht der Mutulus meist aus Holz oder Stuck, nicht aus Naturstein
- Wartung. Es ist ein waagerechtes, vorstehendes Detail, auf dem Wasser steht. Hölzerne Mutuli sind eine klassische Stelle für Holzfäule; bei jedem Anstrich von oben kontrollieren
- Instandsetzung. Bei Fäulnis den geschädigten Teil durch neues Holz derselben Art und desselben Profils ersetzen. Guttae sind gedrechselte oder gefräste Zapfen und lassen sich einzeln erneuern
Verwandte Begriffe
- Guttae
- Kranzgesims
- Architrav
- Dorische Ordnung
- Triglyphe
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