Ein Melonengewölbe ist ein kuppelförmiges Gewölbe, das durch Rippen oder Falten in mehrere gleich große, gebogene Segmente (Kappen) unterteilt ist — von unten betrachtet erinnert es an eine aufgeschnittene Melone. Andere Bezeichnungen sind Schirmgewölbe oder Schirmkuppel; im Englischen spricht man von melon vault, umbrella dome oder pumpkin dome.
Aufbau
Eine gewöhnliche Kuppel ist eine durchgehende Kugelfläche. Beim Melonengewölbe steigt das Gewölbe dagegen in Segmenten zwischen Rippen auf:
- Jedes Segment ist im Grundriss gebogen (konvex oder konkav) statt geradlinig
- Die Segmente laufen im Scheitel zusammen oder enden an einem Okulus (runde Öffnung)
- Die Rippen wirken als Traggerippe: Die Lasten werden auf wenige Auflagerpunkte geleitet, nicht gleichmäßig auf den gesamten Umfang
Weil die Last über die Rippen abgetragen wird, kann der Bereich zwischen den Auflagern offen bleiben — etwa für Fenster oder Nischen.
Anwendung
Das Melonengewölbe findet sich vor allem in der repräsentativen Baukunst:
- Römische Architektur — das Serapeum der Villa Adriana bei Tivoli zeigt eines der bekanntesten frühen Beispiele
- Renaissance und Barock — Kuppeln von Kapellen, Treppenhäusern und Sälen
- Byzantinische und islamische Baukunst — verwandte gerippte Kuppelformen
Bei der Restaurierung gilt die Aufmerksamkeit vor allem den Rippen: Risse entlang einer Rippe deuten auf Setzungen am Auflager oder auf ein Ausweichen der tragenden Wände hin. Vor jeder Reparatur oder Neuverfugung ist eine bautechnische Beurteilung erforderlich.
Verwandte Begriffe
- Gewölbe
- Kuppel
- Gewölberippe
- Klostergewölbe
- Kreuzrippengewölbe
- Okulus
Mehr über Baubegriffe erfahren? Besuche unsere Wissensdatenbank auf fredsbauanleitungen.de/rabatt.