Ein Lügenbalken ist ein Zwischenbalken in einem Holzskelett, der nicht von einer Wand, einer Konsole, einem Wandständer oder einem anderen Balken getragen wird, sondern an der Konstruktion darüber hängt. Er sieht aus wie ein gewöhnlicher Gebindebalken, leitet seine Last aber nicht auf die übliche Weise ab — daher der Name.
Der niederländische Begriff lautet leugenbalk, in Twente auch misbalk. Die Konstruktion war vor allem in Overijssel und Nordholland verbreitet, unter anderem im Holzskelettbau von Haubarg- und Hallenhaustypen.
Wie hängt er?
Ein Lügenbalken liegt zwischen den eigentlichen Gebindebalken und wird von oben aufgehängt. Das geschieht auf verschiedene Weise:
- an der Fliering oder der Mauerlatte, den waagerechten Längsbalken des Gebindes;
- an einem darüberliegenden Gebindebalken, über eine kurze Hängesäule;
- an einer Hängesäule, welche die Aufhängung übernimmt und die Kraft an den Binder weitergibt;
- mit Seilen, später mit Schrauben und Muttern.
Der Grund ist fast immer praktisch. Ein Bauernhausgebinde steht in festem Achsabstand, aber die Nutzung des Raums verlangt manchmal einen Balken dort, wo kein Ständer stehen darf: über einer Tenne, einer Stalltür oder einem Durchgang. Durch das Aufhängen des Zwischenbalkens erhält man dennoch ein Auflager für die Dachbodendecke, ohne dass ein Ständer im Weg steht.
Warum „Lügen”?
Der Name verweist auf den Schein: Es sieht aus wie ein Gebindebalken, ist aber keiner. Er nimmt keine Gebindekräfte auf und leitet keine Dachlast in die Gründung; er hängt an der Konstruktion und trägt nur, was auf ihm liegt.
Hinweise bei einem Bestandsgebäude
- Erkennen, bevor abgebrochen wird. Wer in einem alten Bauernhaus eine Hängesäule oder Zugstange absägt, weil sie „im Weg ist”, entfernt die Aufhängung des Lügenbalkens. Der Balken sackt dann durch und nimmt die Deckenlage mit.
- Die Aufhängung prüfen, nicht nur den Balken. Die Schwachstelle liegt meist in der Verbindung: ein ausgerissener Zapfen, eine eingefaulte Hängesäule oder eine durchgerostete Schraube.
- Historische Schrauben sind keine modernen Schrauben. Alte Schmiedeeisenbolzen haben eine andere Festigkeit als heutiger Stahl. Nicht nach Gefühl ersetzen; die Belastung nachrechnen lassen.
- Bei Nutzungsänderung nachrechnen. Ein Dachboden, der früher Heu trug und nun Schlafzimmer wird, erhält eine andere Nutzlast. Bei einem hängenden Balken zählt das doppelt, weil die Last über die Aufhängung in den Binder geht.
- Bei Denkmälern Rat einholen. Bei einem geschützten Denkmal sind Eingriffe in das Gebinde nahezu immer genehmigungspflichtig.
Verwandte Begriffe
- Gebinde
- Gebindeplatte
- Ankerbalkengebinde
- Deckenbalkengebinde
- Quergebinde
- Längsgebinde
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