Ein Lehmstein ist ein ungebrannter Block aus Lehm, meist mit Sand und häufig mit Stroh oder einer anderen Faser gemischt, der in einer Form geformt und anschließend an Luft und Sonne getrocknet wird. Das spanische Wort Adobe — über das arabische al-ṭūb, „der Ziegel” — bezeichnet international genau dasselbe Produkt.
Der Unterschied zum gebrannten Ziegel ist grundlegend: ein Mauerziegel wird im Ofen gebrannt und dadurch unumkehrbar keramisch und frostbeständig. Ein Lehmstein wird nur getrocknet. Er bleibt dadurch wasserempfindlich, lässt sich am Ende seiner Nutzung aber auch vollständig wieder zu Lehm aufbereiten.
Herstellung und Zusammensetzung
- Lehm mit abgestimmtem Tongehalt; zu fetter Lehm reißt beim Trocknen, zu magerer bindet nicht.
- Sand zur Begrenzung des Schwindens.
- Stroh, Hanf oder Holzfaser gegen Rissbildung und zur Gewichtsminderung.
- Formen und Trocknen: von Hand in Holzformen oder maschinell gepresst. Das Trocknen dauert Wochen und erfolgt geschützt vor Sonne und Regen, denn zu schnelles Trocknen erzeugt Risse.
Werkmäßig hergestellte Lehmsteine sind in DIN 18945 geregelt, der zugehörige Lehmmauermörtel in DIN 18946 und der Lehmputzmörtel in DIN 18947; für tragendes Lehmsteinmauerwerk gibt es eine eigene Bemessungsnorm. Diese Normen wurden 2018 in zweiter Generation herausgegeben.
Eigenschaften
- Schwer und wärmespeichernd. Eine Innenwand aus Lehmsteinen fügt einem leichten Holzrahmenbau Masse hinzu und dämpft damit die Temperaturschwankungen — genau dort, wo ein solcher Bau schwächelt.
- Feuchteregulierend. Lehmstein nimmt Wasserdampf auf und gibt ihn wieder ab, wodurch die Raumluftfeuchte stabiler bleibt.
- Guter Schallschutz durch das Gewicht.
- Nicht brennbar.
- Geringe Druckfestigkeit gegenüber Ziegel oder Kalksandstein. Tragendes Lehmsteinmauerwerk ist möglich, verlangt aber einen Nachweis und ein genormtes Produkt; für eine nichttragende Innenwand ist das kein Thema.
- Nicht wasser- und frostbeständig. Eine Außenanwendung erfordert immer Schutz.
Anwendung in der Praxis
- Nichttragende Innenwände, mit Abstand die häufigste Anwendung in Mitteleuropa.
- Vorsatzschale als Wärmepuffer hinter einem Südfenster oder hinter einem Holzofen.
- Gefachfüllung bei der Fachwerksanierung, wo der Lehmstein an den historischen Bestand anschließt.
- Vermauert mit Lehmmörtel, nicht mit Zementmörtel: nur so bleibt die Wand rückbaubar und wiederverwendbar, und das Ganze verhält sich bauphysikalisch als ein Material.
Zu beachten
- Ein guter Hut und gute Stiefel. Großzügiger Dachüberstand, wasserbeständiger Sockel und einwandfreie Abdichtung; Lehm darf nie in aufsteigender Feuchte oder Spritzwasser stehen.
- Keine zementgebundene Beschichtung darauf. Zementputz sperrt die Wand ab, sodass Feuchtigkeit im Lehm eingeschlossen wird. Mit Lehmputz oder Kalkputz arbeiten.
- Nassräume meiden, sofern der Spritzwasserbereich nicht vollständig durch Fliesen auf geeignetem Träger abgeschirmt wird.
- Mit dem Gewicht rechnen. Lehmsteinwände sind schwer; die Tragfähigkeit der Decke prüfen, besonders bei einer Holzbalkendecke.
- Befestigungen. Schwere Schränke hängt man nicht ohne Weiteres an eine Lehmwand; mit durchgehender Befestigung oder eingemauerten Holzklötzen arbeiten.
Verwandte Begriffe
- Lehm
- Lehmputz
- Ton
- Tonstein
- Mauerverband
- Nachhaltiges Bauen
- Kreislaufwirtschaft
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