Was ist ein Kielbogen?
Ein Kielbogen (auch Eselsrückenbogen genannt) ist eine geschwungene Bogenform, die aus zwei S-förmigen Kurven besteht, die in einer Spitze zusammenlaufen. Das Profil erinnert an einen umgedrehten Schiffskiel. Diese Bogenform kommt vorwiegend in der spätgotischen Architektur (14.–16. Jahrhundert) vor.
Aufbau
Der Kielbogen besteht aus vier Bogensegmenten:
- Der Bogen beginnt auf beiden Seiten mit einem konkaven (hohlen) Bogen, der nach innen schwingt
- Auf halber Höhe geht die Linie in einen konvexen (gewölbten) Bogen über, der nach oben ausläuft
- Die beiden oberen Bogensegmente treffen sich in einer Spitze
- Auf der Spitze sitzt oft eine Kreuzblume oder ein anderes Zierornament
Anwendung
Der Kielbogen ist fast ausschließlich ein dekoratives Element ohne konstruktive Funktion:
- Fensterumrahmungen — als Zierleiste über gotischen Fenstern
- Portale — über Kirchen- und Rathaustüren als dekorative Bekrönung
- Nischen — über Heiligenfiguren in Kirchenmauern
- Blendnischen — als dekoratives Element im Fassadenmauerwerk
- Möbel — in der spätgotischen Möbelkunst als Verzierung
Verwandte Bogenformen
- Tudorbogen — ein abgeflachter Spitzbogen aus der englischen Spätgotik
- Spitzbogen — die grundlegende gotische Bogenform
- Dreipassbogen — eine Bogenform mit drei Rundbögen
Verwandte Begriffe
- Bogen
- Gotik
- Spitzbogen
- Maßwerk
- Ornament
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