Was ist ein Echinus?
Der Echinus ist das runde, kissenförmige Bauteil eines klassischen Kapitells, das als Wölbung zwischen dem Schaft der Säule und dem Abakus (Deckplatte) sitzt. Die Form ähnelt einer halben, umgedrehten Seeigelschale — auf Griechisch echinos, daher der Name. Der Echinus ist ein zentrales Element der dorischen und ionischen Säulenordnung.
Form und Funktion
Der Echinus hat sowohl statische als auch ästhetische Aufgaben:
- Lastverteilung — verbreitert die Auflagefläche allmählich vom Schaft zum Abakus
- Visueller Übergang — markiert den Schritt vom vertikalen Schaft zum horizontalen Architrav
- Dekoration — gibt jeder Ordnung ihren eigenen Charakter
Je nach Ordnung unterschiedlich
| Ordnung | Form des Echinus | Schmuck |
|---|---|---|
| Dorisch | Flache, breite Kissenform mit scharfem Übergang | Schlicht, undekoriert oder mit Eierstab |
| Ionisch | Schmaler, mit Spiralvoluten neben dem Echinus | Mit Eierstab (Kyma) |
| Korinthisch | Klein, hinter Akanthusblättern verborgen | Akanthus-Dekoration dominiert |
| Toskanisch | Schlicht und schwer | Ohne Dekoration |
Anwendung und Geschichte
Der Echinus ist erkennbar in:
- Griechischen Tempeln — Parthenon (Athen), Aphaiatempel (Ägina)
- Römischer Architektur — oft reicher verziert als die griechischen Vorbilder
- Renaissance und Klassizismus — Wiederentdeckung der klassischen Form
- Architektur des 19. Jahrhunderts — Banken, Theater, Parlamente
Feinheiten
Klassische Architekten widmeten der Krümmung des Echinus große Aufmerksamkeit:
- Entasis — leichte Schwellung für optisches Gleichgewicht
- Apophyge — sanfter Übergang zwischen Schaft und Echinus
- Annuli — Ringe unter dem dorischen Echinus
- Astragal — Schmuckwulst direkt unter dem Echinus
Verwandte Begriffe
- Kapitell
- Abakus
- Säulenschaft
- Annuli
- Astragal
- Eierstab
- Dorische Ordnung
- Ionische Ordnung
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