**Ein Aufsatzstuhl — niederländisch dekstoel — ist eine kurze Holzkonstruktion, die oben auf dem Deckbalken eines Gebindes ruht und den oberen Teil des Dachstuhls, eine Bühnendecke oder eine Firstkonstruktion trägt.** Er kommt vor allem in traditionellen niederländischen und norddeutschen Dachstühlen vor und gibt dem Obergeschoss eines Hallenhauses oder Speichers zusätzliche Tragfähigkeit.
Funktion
Der Aufsatzstuhl bildet eine Zwischenkonstruktion zwischen dem Deckbalken und der Dachkonstruktion. Er nimmt Lasten der Pfetten oder des Firstbalkens auf und leitet sie über den Deckbalken in die Ständer des Gebindes. So wird das Durchbiegen langer Pfetten oder Firstbalken zwischen weit entfernten Auflagern verhindert.
Aufbau
Ein Aufsatzstuhl besteht in der Regel aus:
- Zwei kurzen Ständern — senkrecht auf dem Deckbalken
- Einer Strebe oder einem Kopfband — diagonale Versteifung
- Einer kurzen Pfette oder Deckplatte — oben, auf der die Pfetten aufliegen
Manchmal ist der Aufsatzstuhl als kleines A-Spant ausgeführt, mit zwei Streben, die sich am First treffen. In repräsentativen Bauten wurde er reich verziert.
Unterschied zum Dachstuhl
Im Niederländischen ist der dakstoel der übergeordnete Begriff für die gesamte Sparren- und Pfettenkonstruktion. Der dekstoel ist ein konkretes Bauteil davon: jener Teil, der auf dem Gebinde steht und die Pfetten unterstützt.
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| Dachstuhl | Gesamtsystem aus Sparren und Pfetten |
| Aufsatzstuhl (dekstoel) | Zwischenstuhl auf dem Deckbalken |
| Scheindachstuhl | Nicht tragende Schaukonstruktion |
Anwendung
Aufsatzstühle finden sich in:
- Hallenhäusern in Ost- und Nordwestniederlanden
- Scheunen und Ställen des 18. und 19. Jahrhunderts
- Stadtspeichern in alten Innenstädten
- Restaurierungen, bei denen die ursprüngliche Dachkonstruktion wiederhergestellt wird
Verwandte Begriffe
- Deckbalkengebinde
- Deckbalkenjoch
- Gebinde
- Pfette
- Sparren
- Dachstuhl
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